Published Januar 1st, 2013

Alben des Jahres 2012

Besser spät als nie. So könnte man wohl meinen. Nachdem die meisten Jahresrückblicke ja mittlerweile schon im Herbst erscheinen (was bei den Printmedien im Zweifelsfall dennoch die Januar Ausgabe bedeutet), habe ich mich heuer für ein anderes Vorgehen entschieden, und das Jahr erst einmal zu Ende gehen lassen.

Das hat verschiedene Vorteile. Es kommt doch hier und da zum Jahresende noch ein Schmankerl nach. Was macht man damit, wenn der Text schon geschrieben und online ist?! Ergänzen? Blöd! Im nächsten Jahr berücksichtigen? Noch blöder! Weglassen? Am allerblödesten.

Meine Taktik hat sich zwar in keinster Weise auf den Jahressieger ausgewirkt (Django Django standen da schon lange fest), aber zum Beispiel Alt-J habe ich erst spät im Jahr entdeckt.

Interessant fand ich heuer auch die Bestenlisten der schreibenden Zunft. So unterschiedlich wie 2012 sind die meiner Meinung nach selten ausgefallen. Bis auf ein paar Gemeinsamkeiten (Frank Ocean war bei den meisten in den Top Ten) konnte man sich da nicht so recht auf die besten Alben einigen.

So wie im Vorjahr bei Adele so kam man in diesem Jahr wohl an Lana del Rey nicht vorbei. Mumford & Sons sowie Of Monsters And Men machten den Neo Folk mit feinen Alben endgültig salonfähig – auch das musste man berücksichtigen. Ansonsten gab es aber mit Alt-J, Sizarr, Tame Impala etc. eher Highlights jenseits des Mainstream.

Das Comeback des Jahres legten in meinen Augen Soundgarden hin. Ein schönes Stück Musik haben die Alt-Grounger da produziert – auch wenn sie sich danach mit ihrer erlesenen AMEX Club-Gig-Story ein wenig unbeliebt gemacht haben….

Django Django

Endlich, ein Jahrtausendwende-Revival! Die Popavantgardisten Django Django kommen aus betuchten Londoner Vororten und studieren in den vornehmen Vierteln Edinburghs. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum dürfte eine Menge Leute an die Hochzeit von Gruppen wie The Beta Band und Badly Drawn Boy erinnern. (Foto: David Drake) Wie alle guten britischen Bands lernten sich die vier Musiker 2008 an der Kunsthochschule Edinburgh kennen. Um dem langweiligen Luxusalltag zu entkommen, schlossen sie sich regelmäßig im Elternschlafzimmer von Bandleader David Maclean ein und machten Musik. Schon bald wurde klar, dass man nicht versuchen würde, den klassischen Britrock-Acts um Arctic Monkeys und Konsortien nachzueifern. England burnte ohnehin nicht mehr. Und die Jamsessions dauerten oft bis tief in die Nacht, gebaren dabei experimentelle, treibende Songs, von denen bereits 2009 zwei Stück auf die vielversprechende Doppel-A-Single “Storm/ Love’s Dart” geprägt wurden. Nun sollte die erste LP her. Mit dem abgeschlossenen Studium und ohnehin durch Eltern großzügig betreute Kontoauszüge im Rücken, durfte man die Sache locker angehen lassen. Die romantische Vorstellung vom verarmten Avantgardemusiker, der sich mit E-Gitarre, Phaser und Pedal in experimentelle Welten flüchtet, ist hier also fehl am Platz. Aber warum sollte diese Gelassenheit keine gute Musik gebären? (Quelle)

Alt-J

Der ungewöhnliche Bandname alt-J resultiert aus der Tastenkombination für das Delta-Symbol – vorausgesetzt man verwendet einem Mac mit UK-Tastaturbelegung … So ungewöhnlich wie der Name ist auch die Musik dieser außergewöhnlichen Band aus Leeds. Auch wenn sich Referenzen zu den Wild Beasts, Radiohead (zur “In Rainbows” Zeit) oder The XX anbieten, lassen sich alt-J grundsätzlich mit keiner dieser Bands in eine Schublade stecken. Und Umschreibungen wie “Folk-Step” oder “Nick Drake trifft Gangsta Rap” beschreiben nur im Ansatz den innovativen Sound dieser Band. Alt-J erforschen auf ihrem brillanten Debüt verschiedenste Klangwelten zwischen Folk, Hip Hop, Indie und Pop-Musik und klingen dabei erfrischend anders und zeitgemäßer als das meiste, was sich sonst so aktuell auf dem Musikmarkt tummelt. Jede Wette, dass alt-J zu den Newcomern des Jahres zählen werden. (Quelle)

Sizarr

Man sollte es sich mit dieser Band nie zu einfach machen. Man sollte nicht der Versuchung erlegen, Sizarrs biografischem Buzz mehr Aufmerksamkeit zu schenken als nach ihrem nun vorliegenden, phänomenalen Debüt überhaupt noch übrig sein kann. Klar, als das 2009 losging mit Sizarr, da waren Fabian (voc), Philipp (synths, voc) und Marc (drums, percussion) für die Reife der bald von ihnen zu erwartenden Musik erstaunlich jung. Und natürlich, wenn man sich diese Musik in einem Städtchen wie Landau ausdenkt, dann passiert das auf einem unverkennbaren Nebenschauplatz hiesiger Popkultur. (Quelle)

Soundgarden

Sie prägten eine ganze Generation von Fans, gewannen 2 Grammys, waren für insgesamt 7 nominiert und zählen mit 21 Millionen verkauften Alben zu den prägendsten Rockbands der Geschichte. Soundgarden haben Maßstäbe gesetzt und Musikgeschichte geschrieben als eine jener Bands aus Seattle, die mit ihrem Sound das Publikum rund um den Globus begeistern. Jetzt bricht eine neue Ära an, denn Soundgarden legen am 09. November, nach über 15 Jahren, ihr neues Studioalbum “King Animal” vor.

Das Songwriting und die Aufnahmen zu “King Animal” waren durch und durch eine Gemeinschaftsarbeit: Das Album ist explosiv und voller Facetten – von der ersten Single “Been Away Too Long” an, über das vor Energie berstende “Blood On The Valley Floor”, das düstere “Worse Dreams” oder das wehmütige “Halfway There” bis hin zu ganz anderen Sound-Landschaften u.a. mit starken Jazz-Einflüssen wie bei “Black Saturday”. Die Lyrics sind gewohnt scharfkantig, beleuchten zwischenmenschliche Beziehungen ebenso wie politische Verflechtungen oder auch die Ängste und die Verwundbarkeit des Elternseins. Soundgarden bleiben auch bei ihrem sechsten Studioalbum ihren Alternative Rock-Wurzeln treu und legen mit “King Animal” das nächste Kapitel ihrer Bandgeschichte vor.(Quelle)

Konzertmässig gab es sehr viele Highlights. Interessant war auch, dass ich 2012 bei 21 Konzerten an 12 verschiedenen Locations war. Das Verhältnis erscheint mir erstaunlich, da man sich sonst doch meist eher an den üblichen, verdächtigen Orten herumtreibt…

Herausheben muss man dieses Jahr auf jeden Fall das 59:1. Nicht nur weil es das letzte Jahr dieser wunderbaren Location war (das 59:1 schliesst im Januar 2013 seine Pforten), sondern auch weil mit LA DISPUTE und den RIVAL SONS gleich 2 herausragende Events hier stattfanden.

Auch das Backstage hat mit 2 prima Musikerlebnissen (Of Monsters And Men sowie Madsen) eine Erwähnung verdient.

Der Sieg geht allerdings – ähnlich wie bei den Longplayern – ins Atomic zu Django Django.

Auch dieses Jahr gab es wieder einen Event außer Konkurrenz: Das Auswärtspspiel in Berlin bei Pearl Jam.

 

Die komplette Liste:

La Dispute (59:1)

French Films (Atomic)

Clap Your Hands (Ampere)

Boy (Kongresshalle)

Snow Patrol (Zenith)

Black Stone Cherry (Backstage)

Noel Gallagher   (Tonhalle)

The Jezabels (Hansa 39)

The Undertones (Atomic)

Rock im Park    – Zepellinfeld

(Soundgarden, Hosen, Metallica, Mastodon, Rival Sons)

Pearl Jam (o2 World Berlin)

OMAM  (Backstage)

Pretty Things (Ampere)

Madsen (Backstage)

Absynthe Minded (Atomic)

Rival Sons (59:1)

Herbert Groenemeyer (Circus Krone)

Selig (Ampere)

Florence & The Machine (Zenith)

Django Django (Atomic)

Toten Hosen (Olyhalle)

 

Und dann gibts da noch diese Neuerung für alle Spotify Anwender: 

effzetts 2012 top albums  &                    effzetts 2012 top 50 songs

Published Juli 12th, 2012

Berlin (Part II: Kreuzberg)

Freitag lassen wir es sehr entspannt angehen. Wir fahren mit der Bahn zum “Kotti” und lassen uns erstmal gemütlich in einem der wundervollen Cafes am Maybachufer nieder. Dann wagen wir den Weg über die Brücke des Landwehrkanals und haben ein etwas mulmiges Gefühl: Wir wollen zum Türkenmarkt, den wir von unserem letzten Besuch vor einigen Jahren in bester Erinnerung haben.

Nun hat sich in Kreuzberg und Neukölln vieles verändert, und wir sind ein wenig skeptisch, ob der Markt nicht viel von seinem Charme verloren hat. Doch unsere Sorgen sind unbegründet. Alles ist noch fast so wie in unserer Erinnerung: Tolle Stände, Riesenauswahl, faire Preise, nette Menschen, feine Atmosphäre, kulinarische Köstlichkeiten. Nach türkischen Hefekringeln zum Frühstück gibt es frische, gebackene Kochbananen mit scharfer Ingwersauce aus Ghana.

Wir landen an dem Gewürzstand von Herrn Charaf aus Indien. Was soll ich sagen: Hier sollte “Schuhbecks ihr Fonsi” mal in die Lehre gehen. Die meisten Gewürze sind leider, bis sie in unseren Breiten landen, nicht mehr wirklich aromatisch. Nicht so bei Herrn Charaf. Uns bietet sich ein nie erlebtes Feuerwerk an Aromen. Wir erstehen eine ca. 60cm lange Zimtstange aus Vietnam, deren Intensität uns aus den Schlappen haut, und sonst noch “ein paar Kleinigkeiten”…

Unser Weg führt uns weiter nach Neukölln (bislangwaren wir in  Kreuzkölln, wie man mittlerweile das Grenzgebiet der beiden Stadtteile um den Reuterkiez bezeichnet). Es ist verwirrend. Ist man gerade noch in “Klein-Istanbul” so findet man nur eine Ecke weiter eine Seitenstrasse wie am Glockenbach. Mit (etwas zu) netten Cafes und (etwas zu) trendigen Kneipen und (etwas zu) coolen Leuten. Um die nächste Ecke steht man dann wieder vor Wettbüros, Dönerläden und kleinen, düsteren Teestuben mit ausnahmslos männlicher Kundschaft. Was soll man davon halten? Ist das nun der besondere Charme des Viertels? Oder ist das vielmehr auch nur Indiz der Gentrifizierung? Die Süddeutsche Zeitung hat vor kurzer Zeit einen wunderschönen und sehr traurigen Artikel dazu veröffentlicht: “Liebling Kreuzberg: („Klein Istanbul“ nennen die Türken ihren Kiez in Berlin. Aber ist er noch ihr Kiez? Viele müssen wegziehen, weil ihre Heimat den Reicheren lieb und teuer geworden ist…..)”. Leider ist der Artikel online nicht mehr aufrufbar. Hier wird das ganze Dilemma eines sterbenden Stadtteils sehr anschaulich dargestellt.

Nach einer ausgedehnten Runde landen wir wieder am “Kotti” und haben uns einen weiteren kulinarischen Hochgenuss verdient. Denn hier gibt es  – und da lege ich mich fest – den BESTEN DÖNER DER WELT. Tadim ist eine Institution. Und wird es auch hoffentlich noch lange bleiben. Wer hier einmal das frisch gesäbelte Fleisch in Kombination mit fein angemachten und abgeschmeckten Salaten in frisch gebackenen Fladen geniessen durfte, der steht den meisten Mitbewerbern fortan eher skeptisch gegenüber. Dazu gibt’s ordnungsgemäss wohltemperiertes Ayran und ein Plätzchen an der Sonne.

Wir beenden unseren Kreuzberg Ausflug und kehren zurück nach Charlottenburg. Hier lassen wir den Tag ausklingen wie wir ihn begonnen haben: Entspannt. Dabei gibt es viel Gesprächsstoff dank der vielen Eindrücke.

Mir blühen lediglich noch 2 Überraschungen: Zuerst bin ich gelinde gesagt etwas schockiert, als mir erst auf der Kantstrasse ein Wolpertinger (!) begegnet. Und dann sitzen wir beim Thai ums Eck (womit wir wieder bei meiner Theorie wären: Es gibt in Berlin einfach die deutlich besseren Asiatischen Restaurants zu deutlich faireren Preisen…) und ich plötzlich meinen Augen nicht traue, als passend zu meinem Phad Thai ein TukTuk ums Eck biegt… Leider habe ich davon kein Bild – aber es war da- ganz ehrlich – und ich habe Zeugen!

Der Samstag verläuft ohne nennenswerte Vorkommnisse. Unser traditioneller Besuch beim Inder ist ein klein wenig enttäuschend: Sorry Spice India, aber da hattest Du beim letzten Mal mehr drauf… Dann werden unsere Aktivitäten durch einen heftigen – und etwas längeren -Platzregen etwas eingeschränkt. Aber das ist gar nicht weiter schlimm. Berlin hat sich wieder einmal gelohnt. Und bestimmt finden wir auch nächstes Jahr wieder einen Grund für einen Besuch.

Published Juli 11th, 2012

Berlin (Part I: Pearl Jam)

Es geht Schlag auf Schlag. Gerade vom grandiosen Offroad Wochenende erholt, steht das nächste Highlight an. Nachdem sich Schalke leider nicht fürs Pokalfinale empfehlen konnte (statt dessen durfte ja heuer der Faschingsclub aus dem Nachbarort in seinen albernen Bienenkostümen auftreten) und auch U2 sich gerade nicht auf Tournee befinden, liefern uns PEARL JAM einen willkommenen Grund für den diesjährigen Trip in die Hauptstadt. Bei Kaiserwetter darf der Wrangler “oben ohne” auf die Strasse und nach einem kurzen Zwischenstopp in Ingolstadt (jaja…) kommen wir ohne grössere Zwischenfälle in unserem Hotel in Charlottenburg an.

Nach der langen Fahrt haben wir uns einen kleinen Snack bei Mr. Hai & Friends verdient – und dazu gibt’s ein wohlschmeckendes Tiger. Jeder, der einmal in den zweifelhaften Genuss von Schultheiss und/oder Berliner Pils gekommen ist, weiss ein solches Erzeugnis fernöstlicher Braukunst sehr zu schätzen.

 Am darauffolgenden Morgen machen wir die erste wunderbare Entdeckung gleich ums Eck: Der Kuchenladen –zaubert nicht nur grandiose Kuchenkreationen aus dem Ofen (die Tiroler Apfeltarte ist eine Legende), sondern bereitet dazu noch einen fantastischen Kaffee zu.

Gestärkt und wohlgelaunt treiben wir uns ein wenig in “Mitte” herum, bummeln durch lustige Läden (viele davon provisorisch und nur wegen der Fashion Week) und freuen uns auf den Mittagstisch im Thai Inside. Nein, wir sind nicht nur zum Essen in Berlin, aber ein paar Anlaufstationen haben sich einfach brutal bewährt. Ausserdem hat Berlin einfach einen grossen Vorteil gegenüber München: Es ist eine ECHTE Großstadt mit einer ECHTEN asiatischen Community. Da muss man wohl als Betreiber eines Thai-, Vietnam, China- oder Indischen Restaurants schon anders an die Sache herangehen, als wenn man – wie in München – letztlich nur für den bajuvarischen Gaumen kocht.

 Es wird Zeit, nach einem kurzen Abstecher im Hotel, die Reise zur Konzertlocation anzutreten: Der O2 World. Charlottenburg hat sich auch deshalb sehr bewährt, weil die Anbindung ziemlich optimal ist. So besteigen wir die S-Bahn und können durchfahren bis zum Ostbahnhof. Unterwegs haben wir – wie meist in der Hauptstadt – eine mehr oder weniger gelungene musikalische Untermalung der Fahrt. Diesmal haben wir Glück: Der junge Punk in unserem Abteil kann tatsächlich ein paar Akkorde auf der Gitarre spielen ohne sie kaputt zu machen. Dazu singt er ein lustiges Lied von arbeitsscheuen Menschen. Die letzte Textzeile lautet “Ich mach’ nicht mit in Eurem Karnevalsverein…”. Grenzwertig. Aber wenigstens ehrlich…

 

Angekommen bei der O2 World bietet sich uns ein zwiespältiger Eindruck: Einerseits ist das ein beeindruckender Bau mit einer grandiosen Verkehrsanbindung (über Ostbahnhof und Warschauer Strasse werden sämtliche Optionen des Öffentlichen Nahverkehrs ausgenutzt, dazu kommt sogar der Wasserweg über die Spree). Es gibt trotz Ausweiskontrolle (personalisierte Tickets) kaum Wartezeiten. Auch die Getränkeversorgung scheint gut organisiert zu sein.

Hier kommen wir aber auch schon zum ersten Kritikpunkt: Die Qualität lässt sehr zu wünschen übrig. Das haben nicht nur wir erkannt, sondern auch die Fans der hier ansässigen Eisbären Berlin, was vor einiger Zeit sogar zu Demonstrationen führte. Überhaupt gibt es, wie bei solchen Grossprojekten üblich, genug Anlass zur Kritik: Abgesehen von der Gentrifizierung der umliegenden Kieze und anscheinend prekären Arbeitsbedingungen wurde auch ein Teil der denkmalgeschützen Hinterlandmauer East Side Gallery abgerissen. Nicht umsonst haben die Berliner dem Klotz sehr bald den Spitznamen “Kotzbrocken” verpasst.

  

Doch nun zum eigentlichen Grund unseres Besuchs: Bereits zum letzten Stück des Supports “X” lässt es sich Mr. Eddie Vedder nicht nehmen, die Herrschaften gesanglich zu unterstützen. Gegen 21.00 Uhr ist es dann soweit: Die Herren Vedder, Ament, Gossard, McCready, Cameron und Gaspar betreten zu den Klängen von Philip Glass’ “Metamorphosis” die Bühne und zeigen mit ihrem Opener “Oceans” vom legendären TEN Album gleich mal, wo der Bartel den Most holt (wie man in Seattle zu sagen pflegt). Ein Konzert mit einem Song zu beginnen, den man seit 1996 gar nicht mehr in Europa gespielt hat, zeugt doch von einer gewissen Flexibilität. Bereits der dritte Song ist dann “Animal” und macht einem klar, was diese Band für ein Repertoire im Gepäck hat. Eddie ist redselig und gut gelaunt, erzählt von seinem ausgiebigen Besuch im Ramones Museum und stellt fest, dass wir uns auf dem 999. Pearl Jam Konzert befinden…  Matt Cameron merkt man seine Doppelbelastung keineswegs an (er spielt nebenher in einer Nachwuchscombo namens SOUNDGARDEN) und Mike McCready spielt feine Soli – gerne auch mal überkopf. Die Akkustik im “Kotzbrocken” ist gar nicht so schlecht wie befürchtet, und selbst die meist leeren VIP-Lounges können der feinen Stimmung nichts anhaben. ”Go” beendet den ersten Teil des Konzerts, der mit einer Coverversion von Pink Floyds “Mother” seine Fortsetzung in der ersten Zugabe findet. Nach einem ruhigen Teil (Just Breathe, Nothingman, Better Man…) verabschiedet sich die Band erneut um mit “Blood” ein weiteres Frühwerk (in diesem Fall von Vs.) zum Besten zu geben. “Alive” beendet das Konzert vermeintlich. Doch auch wenn die Hallenbeleuchtung schon angeht, so lassen sich die Herrschaften davon nicht abhalten auch noch ein weiteres Cover (The Who’s “Baba O’Riley”) und das finale “Yellow Ledbetter” zu kredenzen. Nach weit über 2 Stunden Spielzeit und total 30 Songs geht ein grosser Konzertabend dann doch zu Ende. Während des Auftritts wird mir irgendwann klar, dass ich genau halb so alt wie heute war, als ich Pearl Jam zum ersten Mal gesehen hab. Irgendwie krass. Damals hatten sie gerade ihr erstes Album “Ten” herausgebracht und spielten als recht unbekannte Combo auf dem “Ring” -an einem Freitag Abend. Dazu gab es Korea aus dem Kanister. Stilecht. Heute gibt es einen wohltemperierten Gin Tonic (Ihr wisst schon: Das Berliner Bier GEHT GAR NICHT..). Wie sich die Zeiten ändern…

Fortsetzung folgt…

 

Links:

Die komplette Playlist

Konzertkritik von INTRO

Published Juli 3rd, 2012

Jestrüpp – Offroad im Bayerischen Wald

Leicht geschädigt vom unseligen Ausscheiden der Deutschen Elf bei der EM machen wir uns auf den Weg zum Offroad Training im Bayerischen Wald. Nachdem wir die Geschichte im letzten Jahr aus bekannten Gründen verschieben mussten, können wir nun bei Kaiserwetter das “Jestrüpp” in Angriff nehmen, um dem Wrangler endlich einmal ein wenig “Auslauf” in angemessenem Terrain zu gönnen.

no images were found

 Unser Navi schickt uns über mehr oder weniger unbeschilderte, betonierte Feldwege durch den Bayerischen Wald. Stellenweise fragen wir uns, ob das wohl schon zum Programm gehört. Aber wir kommen unbeschadet (nicht zuletzt dank fehlendem Gegenverkehr) in unserer Unterkunft an.

Der erste Abend steht ordnungsgemäss im Zeichen des Kennenlernens und einer kurzen Einführung. Da es zudem am nächsten Tag recht zeitig losgeht, verhalten wir uns ungewohnt vernünftig.

 Am Samstag ist es dann nach einem ausgiebigen Frühstück soweit. Um Auto und Fahrer ein wenig “Warmlaufen” zu gönnen geht’s erst einmal auf einer grossen Wiese an einen Rückwärtsparkour. Was unspektakulär klingt, ist in der Umsetzung gar nicht so ohne. Letztlich ist es einfach extrem ungewohnt, einen fetten Jeep lediglich mit Blick in den Außenspiegeln rückwärts duch ein Dutzend bunter Hütchen zu manövrieren.

no images were found

 Nun geht es aber endlich ins echte Gelände. In einer gelungenen Mischung aus Theorie und Praxis führen uns die grandiosen “Instruktoren” Andy und Tobi an die Materie heran. Stadtkinder und Schreibtischtäter wie ich werden mit Begriffen aus dem Paralleluniversum konfrontiert. Böschungs- und Rampenwinkel. Differentialsperren und Untersetzungsgetriebe. Achsverschränkung und Wattiefe.

no images were found

 ”So langsam wie möglich und so schnell wie nötig” bewältigen wir holprige Waldpisten, steile Anstiege, skipistenartige Gefälle, reissende Gewässer (zumindest ein wenig…), beeindruckende Hindernisse und angsteinflössende Schräglagen.

no images were found

 Ich wollte wissen, was man mit dem Wrangler alles anstellen kann. Jetzt weiss ich es ;-)

no images were found

 Jedem, der sich auch nur ein klein wenig für die Materie interessiert, kann ich ein Training beim fantastischen Team von www.abenteuer4x4.com nur wärmstens empfehlen. Es war einfach großartig.

no images were found

no images were found

 In diesem Zusammenhang vielen Dank nochmal:

 An die Familie Christl für die unkomplizierte Terminplanung und eine wunderbare Betreuung.

An Tobi für viel Geduld, viel Know-How, viel Spass und natürlich für die “Extra-Runde”!!

Und last but definitely not least: An die besten Sponsorenfreunde von allen ;-)

no images were found

Published Mai 23rd, 2012

Wiederholungstäter: Santorin 2012 II.

Um es vorwegzunehmen: Nein, uns ist nicht ein einziger Grieche begegnet, der ein Problem mit unserer Nationalität gehabt hätte. Den meisten ist sehr wohl bewusst, dass sie ihre missliche Lage weit mehr ihren eigenen Politikern zu verdanken haben als den deutschen Vertretern. Man kann nur hoffen, dass in Athen sehr bald eine vernünftige Lösung der Problematik gefunden wird.

 

no images were found

 

no images were found

Was den Tourismus angeht: Weit mehr als Einbussen bei deutschen Gästen fürchten die Bewohner Santorins einen Rückgang bei den eigenen Landsleuten. Diese können sich in der momentanen wirtschaftlichen Lage schlichtweg keinen Urlaub leisten. Andere Nationen bevölkern Santorin weiterhin in Scharen.

 

no images were found

 So sollte man zum Beispiel, wenn man auf dem Weg nach Thira am Kraterrand entlang fährt, und in der Kaldera ein Kreuzfahrtschiff (oder gar mehrere) sieht, stehenden Fusses umdrehen. Denn der Dampfer spuckt erfahrungsgemäss hunderte von Touristen aus, die von den armen Eseln die unzähligen Stufen zur Stadt hinaufgeschleppt werden. Dort verstopfen sie die engen Gassen und bescheren den ansässigen Geschäften, Tavernen und Handwerkern hoffentlich wenigstens einen kleinen Geldsegen.

  

Ebenfalls meiden sollte man Thira und Oia (auch wenns schwer fällt) zur Zeit des Sonnenuntergangs.

Eigentlich ist Santorin sowieso viel zu touristisch.

Eigentlich sollte man sich wohl sowieso eine ruhigere Insel suchen.

Eigentlich gibt’s ja genug davon zur Auswahl.

Aber vielleicht ist es einfach ein klein wenig wie bei Nick Hornby’s Theorie zu Fussballvereinen, und nicht Du suchst Dir Deine Insel aus, sondern umgekehrt…?!?