Published Januar 6th, 2011

Alben des Jahres 2010

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Arcade Fire: The Suburbs

Arcade Fire untermauern mit The Suburbs ihre Stellung als eine der wichtigsten und aufregendsten Bands des neuen Millenniums. Im Vorfeld zum Entstehen ihres dritten Album reiste das songschreibende Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne in die Suburbs von Huston in Texas, wo der Arcade-Fire-Sänger mit seinem Bruder und Bassisten William in The Woodlands aufwuchs. Die amerikanischen Vororte gelten als Sinnbild der (Spieß-) Bürgerlichkeit, dem gesellschaftskonformen und komfortablen Leben im abgesicherten Modus, der Langeweile, einer weitgehend problemfreien und unschuldigen Kindheit, die Angst sie zu verlieren. Das nun erwachsene Paar blickt also mit Abstand auf die Jugend zurück, zumal auch Régine – die Tochter haitianischer Auswanderer – in einem Vorort von Montreal aufwuchs. Die Verarbeitung der Vergangenheit, der Blick auf die teilweise massive Veränderung vertrauter Bilder führt die siebenköpfigen Arcade Fire auch musikalisch zurück.. (mehr)

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Vampire Weekend: Contra

Weltmusik, Ivy-League, Pullunder – Mann sind die uncool! Oder eben nicht.
Mit ihrem Zweitwerk “Contra” setzen Vampire Weekend die Redefinition des breitenwirksamen Rockfaktors von eigentlich megaödem Kultur-Schnick Schnack fort, ohne vom eingeschlagenen Weg abzuweichen.
Die Popkultur-Fundstücke, derer sich Vampire Weekend bedienen, um den eigenen Sound zusammen zu schustern sind sicher nicht aus der Rock’n'Roll Hall Of Fame ausgeliehen. Bevor die Band aus New York vor etwas über einem Jahr ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlichte, fandet ihr doch alle Paul Simon so was von doof, oder? Die Musiklehrer-Ikone mit dem Hang zum Kulturimperialismus war in Styler-Kreisen ein ähnlich rotes Tuch wie Roland Kaiser und der Konsum seiner Platten wurde – wenn überhaupt – als Beispiel für die eigene Fähigkeit zur Ironie angeführt. Call Me Al, Baby. (mehr)

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Grinderman: Grinderman 2

Wer das Glück hatte, Birthday Party oder die frühen Bad Seeds live zu erleben, wird sich definitiv daran erinnern, welche Aggressivität, Energie und Bedrohlichkeit vom jungen Nick Cave ausging. Im Laufe seiner Karriere ging dem in Brighton lebenden Australier einiges davon verloren, vielleicht auch, weil die Drogen verschwunden waren und das Leben geordnete Bahnen nahm. Zuletzt klangen viele Nick-Cave-Alben recht routiniert aber wenig inspiriert, nur in seinen Drehbüchern (The Proposition) und Romanen (The Death Of Bunny Munro lauerte überall das Böse. Mit Grinderman kehrte Nick Cave unter Mithilfe der drei gleichberechtigten Mitglieder Warren Ellis, Martin Casey und Jim Sclavunos von den Bad Seeds zu seinen Anfängen zurück. Der ganz große Überraschungseffekt geht auf Grinderman 2 nach dem selbstbetitelten Debüt fast zwangsläufig verloren gegangen, denn wer hätte 2007 mit so einem Keulenschlag gerechnet? Trotzdem handelt es sich beim Nachfolger um eine überdurchschnittliche, tief im Blues getränkte Rockplatte. (mehr)

Auf den Plätzen (alphab.):

  

 

Übriggebliebende Highlights aus dem Vorjahr:

 

Bombay Bicycle Club: I had the Blues,but I shook them loose

Es spricht einiges dafür, dass die Indiepop-Band Bombay Bicyle Club demnächst noch richtig groß raus kommen könnte. Ihr Debütalbum zeigt auf jeden Fall, welches Potenzial in ihnen steckt.
In ihrer kurzen Bandgeschichte haben Sänger Jack Steadman und seine drei Jugendfreunde schon Einiges erreicht. 2006 konnten sie den “Road To V”-Wettbewerb für sich entscheiden und sich damit einen Auftritt beim englischen V Festival sichern. Eine weitere Auszeichnung war, dass sie Jim Abbiss überzeugen konnten, ihre Platte zu produzieren. Immerhin hat der Studioveteran schon unter anderem den Arctic Monkeys, Kasabian und Adele zum Durchbruch verholfen.
Trotzdem ist das instrumentale Intro “Emergency Contraception Blues” erst einmal eher unspektakulär. Dafür rockt “Evening/Morning” ordentlich, um den jugendlichen Liebesschwur nach dem Aufwachen zu untermalen: “I am ready to owe you anything.”

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Mumford & Sons: Sigh no More

Was haben Shakespeare und Folk-Rock gemeinsam? Die Antwort liefern vier britische Mittzwanziger mit einem 60er lastigen Debütalbum.
Mumford And Sons sind zwar ein britisches Quartett, klingen aber vielmehr wie ein Bündel 40-jährige Holzfäller aus dem Süden der USA. Eine Familienbande, die sich in der Mittagssonne fernab der Zivilisation an einer rustikalen Holzhütte die Sonne auf den Bauch scheinen lässt und mit Grashalm im Mund Banjo, Akustikgitarre und Kontrabass zupft. Wobei der nach Familie klingende Name trügt: Blutsverwandt sind die Briten nicht, sie vereint vielmehr die Liebe zu Sechziger-Folk gepaart mit Bluegrass und Country. (mehr)

 

Empire of the Sun: Walking on a Dream

Nicht erst seit man es in einschlägigen Werbespots hört…

Der australische Querkopf Luke Steele packt mehr Soul in einen Song als manch R’n'B-Act auf eine ganze Platte. Empire Of The Sun heißt sein neues Bandprojekt und liefert den eindrucksvollen Beweis.

Schon immer kreierte er Musik für denkende Menschen, die sich hinter ihren Gefühlen nicht verstecken. Nur schien der Zeitpunkt für Luke Steele und seine ehemalige Band The Sleepy Jacksons mehr als schlecht gewählt: Zu viel passierte 2006 im alternativen Rock-Bereich, so das ihnen niemand die nötige Aufmerksamkeit schenkte. Mit Empire Of The Sun wird es anders laufen.

Vor zwei Jahren zusammen mit dem hierzulande unbekannten Musiker Nick Littlemore als Kunstprojekt gegründet, sorgten schon die ersten Singles für Aufsehen: Der NME verpasste dem Duo das Prädikat “One of the best Newcomer 2009″ – und wer dem Debütalbum “Walking On A Dream” nur ein paar Minuten lauscht, wird merken, dass dies durchaus berechtigt ist. (mehr)

 

Konzerte des Jahres:

Frühling:  Bombay Bicycle Club im 59:1 (schönstes Clubkonzert)

Sommer:  U2 im Olympiastadion zu München (bestes Musikspektakel)

Herbst:  Arcade Fire im Zenith (wohl unterm Strich die Nummer 1)

Winter:  Sportfreunde Stiller im Zirkus Krone (perfekter Jahresabschluß)

Published Oktober 5th, 2010

Wiesn 2010

Das war sie also: Die Wiesn 2010 ! Zeit für ein kleines Resümee…

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Nach der Jahrhundertwiesn 2009 hatte es das diesjährige Fest schon schwer. Zugegeben. Dafür hat sie sich eigentlich recht gut geschlagen – da gibts nix. Natürlich waren die Zelte wieder voller. Natürlich waren die Wochenenden nicht mehr gemütlich. Natürlich war es wieder deutlich schwieriger für “Nicht-Reservierer”. Aber sind wir doch mal ehrlich: Schlimmer als die letzten Jahre war es nun auch nicht ! Und wollen wir wirklich Wirtschaftskrise und Terrorwarnung als Mittel zur freien Sitzplatzwahl…?

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In diesem Zusammenhang muss ich eines mal loswerden: Nörgler – bleibt doch einfach zu hause !! Wundert Ihr Euch wirklich, daß es am Wochenende voll ist ? Daß man Euch nicht am Zelteingang abholt und fragt, ob Ihr lieber am Fenster oder am Gang sitzen wollt ? Wundert Ihr Euch wirklich, daß man um 23.00 Uhr kein Taxi bekommt ? Wundert Ihr Euch ernsthaft über krasse Hotelpreise ? Das alles ist nicht neu. Das alles habt Ihr schon einmal gehört. Und ich kann das Gemecker nicht mehr hören. Niemand zwingt Euch. In Eurem Lieblingsurlaubsort zahlt Ihr auch in der Hauptsaison das Doppelte. Schonmal drüber nachgedacht, daß Wiesn auch Hauptsaison ist…??

Was ich an dieser Stelle vielleicht auch kurz klarstellen sollte: Nein, ich war NICHT jeden Tag auf der Wiesn. Ich war – nun ja – ein paar mal dort…

Und all den Wiesnzweiflern sei noch mit auf den Weg gegeben: Hey, was ist denn dabei mit seinen Freunden ein Fest zu feiern ? Dabei neue Leute zu treffen. Tolle Begegnungen zu machen (Die ältere Dame zur Mittagswiesn, die mir von Ihrer Zeit als Wiesnbedienung vor 30 Jahren erzählte – mit leuchtenden Augen – war der Wahnsinn…). Wieso seht Ihr immer nur das negative Image. Es mag vielleicht platt klingen, aber ist die Wiesn nicht letztlich auch nur ein Spiegel der Gesellschaft…??

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In diesem Sinne: Wir sehn uns 2011, oder ?!

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