Oktober 29th, 2010

Was tut man, wenn man eine Abwechslung zum pulsierenden Nachtleben von Downtown Reichenhall sucht ?! Wenn man, aus welchem Grund auch immer, Ausschau hält nach einer Alternative zu den Hot Spots der Szene ?!
‘Wie wärs denn mal mit Kino !?’ – Dachte ich mir…
Nun hatte ich letzte Woche in einem der einschlägigen, lokalen Boulevardmagazine gesehen, daß beinahe zeitgleich zu New York, London und Berlin natürlich auch in Reichenhall der langerwartete zweite Teil von WALL STREET anlaufen sollte. Leider habe ich es nicht ganz auf die Gästeliste der Premierenvorführung geschafft, und wollte deswegen den ersten Andrang abwarten, um dann gemütlich in der zweiten Woche das Lichtspielhaus aufzusuchen.
Was soll ich sagen: Satz mit ‘X’…
Nach nur einer Woche abgesetzt. Ja was ist denn da los…?? Wie kann das sein…?!
Nun gut, die meisten der anwesenden Herrschaften interessieren sich vielleicht nicht wirklich für die Wall Street – könnte ich mir vorstellen. Sie tragen ihr Vermögen doch lieber um den Hals oder investieren es in einen schmucken Kurschatten.
Aber dennoch drängt sich mir die Frage auf: Wer bitte soll sich denn hier den stattdessen angesetzten Film anschauen…?! Man verstehe mich nicht falsch: ICH habe durchaus gezuckt. Ich denke da eher an die Damen und Herren um mich herum… Aber vielleicht werden am Wochenende dort die Enkel geparkt. Folgendes Szenario wäre ja durchaus denkbar:
Elternteil: Wollen wir am Sonntag die Oma besuchen ?
Kind: Ich will nicht !
ET: Aber warum denn nicht ?
K: Oma stinkt nach 47/11 und knutscht furchtbar peinlich rum !
ET: Du kriegst auch ein Eis!
K: Außerdem gehen wir dann nur wieder in dem doofen Kurpark spazieren…
ER: Gut, Du kriegst außerdem die neue Playstation !
K: Und dann gehen wir stundenlang in so ein dämliches Cafe…
ER: Und wenn Du zusätzlich in der Zeit ins Kino gehen darfst ??
K: Geht doch !!
Abgesehen davon habe ich eine Entdeckung gemacht, die gewisse Heimatgefühle in mir geweckt hat. Ein Hauch von Glockenbach in Downtown Reichenhall:

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Oktober 27th, 2010

Einer der wichtigsten Orte in der Anstalt ist die Briefkastenanlage. Hier hat jeder ein Schließfach mit seiner Zimmernummer (ist das nicht unglaublich clever ?!). Auf jeden Fall bestimmt dieses Fach quasi alles. Denn hier liegen mittags die Therapiepläne für den nächsten Tag. Voller Spannung wartet jeder Insasse auf den großen Moment. Spätestens wenn man einen Mitbewohner mit dem Dokument in der Hand sieht, wird man selbst den Schritt beschleunigen um seinerseits das Schicksal in Händen zu halten.
Denn dann erst weiß ich, wie lange ich morgen schlafen darf (der erste Termin kann durchaus vor 7.00 sein, evtl. aber auch erst um 9.00).
Nun weiß ich, wie ich meinen Tag gestalten kann (viele Dinge müssen als freies Training in den Zeiten zwischen den offiziellen Terminen erledigt werden). Ich weiß wann und wie lange ich essen kann. Ob ich Freistunden habe oder einen vollgepackten Plan.
Dementsprechend ist der Platz vor den Postfächern gleichzeitig auch ein Ort des ‘Social Life’. Hier werden die Schicksale ausdiskuttiert und verglichen. Hier herrschen Neid und Mitgefühl. Hier wird geflucht und gefeiert. Bekanntschaften geknüpft. Gemeinsame Termine gesucht und gefunden.
Aber neben den Therapieplänen gibt es noch andere wichtige Post. Denn in den ‘Fächern die die Welt bewegen’ finden sich auch die Briefe von der Klinikverwaltung. Und darin steht, wer noch länger Gast sein muß/darf. Oder auch wer früher nach hause fahren darf/muß.
Gutes Beispiel für die zweite Gattung war der nette Herr, der es sich nicht nehmen lassen wollte auf dem Klinikgelände zu rauchen. Zur Erinnerung: Wir reden hier von einer Lungenklinik. Erließ es sich auch nach der ersten Abmahnung nicht nehmen. Er ließ es sich auch nach der zweiten Abmahnung nicht nehmen (wie blöd kann einer allein eigentlich sein ?!?). Daraufhin wurde er ‘des Feldes verwiesen’. Und als besonderes Schmankerl darf er seinen Aufenthalt auch selbst zahlen. Das hat sich doch gelohnt.
Und dann gibt es noch eine dritte Kategorie der Post. Die bekommt man von lieben Freunden zu hause. Die zum Beispiel an einen denken, wenn man aufgrund seines Aufenthaltes hier nicht gemeinsam zum geplanten Event gehen kann. Und dann macht man sein Fach auf und hält statt eine Therapieplans einen fetten, braunen Umschlag in der Hand…
Großartig !!
Vielen Dank !!
Hat es jemals ein passenderes Shirt gegeben …??

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Oktober 26th, 2010

Woran erkennt man, daß Sonntag ist in der Rehaklinik ?
‘Man(n)’ trägt Sakko…..…
………zur Jogginghose !!
Glaubt Ihr nicht ?? Ich glaube Ihr unterschätzt das hier noch immer. Nein, es gibt leider keine Fotos. Ich bin froh, daß ich mein iPhone nicht hab fallen lassen.
Überhaupt: Mode !
Großes Thema in der Anstalt.
Die Vielfalt der extraordinären Boutiquen läßt es bereits erahnen.
Und wer hat gesagt, daß dezente Rautenmuster in türkis und gelb auf lila Ballonseide NICHT modern sind ?! Ja ?! Eben !!
Wie sagt man in Downtown Reichenhall so schön:
Don’t imitate ! Innovate !!
Sehr angesagt sind auch ‘Freizeitanzüge’ (ich hab mir sagen lassen, die konservativ-geschmacklose Variante von Trainingsanzügen bezeichnet man so). Auch gerne mit Pantoffeln.
Womit wir auch schon wieder bei meinem ganz speziellen Freund wären:
Der Schleicher ist nämlich mittlerweile auch im Fitnessraum aufgetaucht. Gekleidet wie oben beschrieben. Freizeitanzug in braun. Dazu passend: Braune Schleicherpantoffeln. Gefüttert mit Lammfellimitat.
So kam er aus dem Lift geschlichen. (Kann mir übrigens mal irgendwer das paradoxe Verhaltensmuster erklären, das Menschen an den Tag legen, wenn sie mit dem Aufzug in den Fitnessraum fahren…?! OK, ich schweife ab…)
Auf jeden Fall schlurfte unser Held aus eben jenem Lift und blieb gleich davor stehen, um schnaufend das Laufband zu fixieren. Nachdem er die Plastiktüte mit seinen Utensilien umständlich geparkt hatte bestieg er dieses Trainingsgerät tatsächlich. Um sich noch umständlicher den Sicherheitsgurt anzulegen. Ein weiterer Seufzer. Fixieren der Bedienelemente. Ein mutiger Vorstoß zum Einschaltknopf. Drücken. Erschrocken von der plötzlichen Bewegung gleich wieder ausstellen. Ein sehnsüchtiger Blick zum Fahrstuhl. Ein letztes Aufraffen, erneutes Betätigen des bösen Knopfes. Ausbalancieren. Vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzen. Diese dabei bloß nicht anheben. 2 Minuten später anhalten. Seufzen. Bedienelemente fixieren. Gurt umständlich ablegen. Vom Band steigen und ganz unauffällig ums Eck schleichen. Um dann kurze Zeit später mit dem Blinken des Aufzugs einen letzten Abschiedsgruß zu hinterlassen.
Ich muß wohl noch ein wenig verstört aus der Wäsche geschaut haben, als mich eine Lautsprecherdurchsage in die Realität zurückholte. (Ich muß vorausschicken, daß der Lautsprecher für das gesamte Klinikgelände sonst nur für dreiste Falschparker und verlorene Kinder bemüht wird). Aus eben jenem Lautsprecher dröhnt es also:
“Achtung ! Achtung ! Heute Abend 18:45 Uhr ! BINGO im Bayerischen Stüberl !”
Dem habe ich nichts hinzuzufügen !
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Oktober 23rd, 2010
The City never sleeps
Lange bevor die Ballung geometrisch angeordneter Hochhäuser auf der anderen Seite des großen Wassers (nein, nicht des Chiemsees, ich meine das andere…) – also: Lange bevor dieses Dings den Slogan ‘The City never sleeps’ für sich beanspruchte, entsprach das in Downtown Reichenhall bereits dem Alltag. Darum wollen wir es nicht versäumen, unseren Aufenthalt für einen nächtlichen Schaufensterbummel zu nutzen. (Ich glaube ich verrate an dieser Stelle nicht zu viel wenn ich anmerke, daß auch ein Nightlife Special bereits in Planung ist).
Was man den Freunden in der ‘neuen Welt’ außerdem noch voraus hat, dürfte offensichtlich sein. Nein, ich spreche hier nicht von gutem Geschmack und Allgemeinbildung (über den Central Park hinaus). Die Rede ist hier von Geschichte und Kultur. Beides schlägt einem ja hierzulande an allen Ecken entgegen. Und sei es auch nur in Schokobällchen.
Wie jetzt ?! Österreich ?! Wer wird denn so kleinlich sein. Das merken doch die eh nicht…
Beim Bummel durch die nächtliche Einkaufsmeile erwarten einen Kuriositäten, modische Highlights, kulinarische Leckerbissen und eine Glitzerwelt, die ihresgleichen sucht. Hand aufs Herz: Wer zum X-Mas Shopping noch den Kontinent wechselt, dem ist nun wirklich nicht zu helfen…
Doch nicht nur bei Nacht laufen wir mit offenem Mund durch die südbayerische Metropole mit der 850jährigen Geschichte. Auch am Tage reiht sich eine optische Köstlichkeit an die nächste.
Ein weiteres Indiz für die Fortschrittlichkeit Downtown Reichenhalls sind die hier aufgestellten Geldautomaten. Selbst die haben eine viel längere Tradition als jene unpersönlichen Computer, die man nur mit einem Stück Plastik benutzen kann. Denn HIER geht es auch ohne Karte…
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Oktober 22nd, 2010

Heute möchte ich auf einen Teil der gestern erwähnten Mitbewohner noch einmal näher eingehen. Es handelt sich dabei um die Spezies der Schleicher.
Da stehst Du nichtsahnend irgendwo im Haus. Studierst den Essens-Plan, leerst Dein Postfach, checkst Deine Mails oder was auch immer. Auf einmal ist er da. Wie aus dem nichts. Steht neben Dir und starrt Dich an. Mit ganz großen Augen. Du bist versucht, ihn mit einem energischen ‘BUH’ oder ‘KSCHT’ zu verscheuchen. Aber ehe Du noch Luft holen kannst, ist er auch schon wieder verschwunden. Genauso still und leise wie er aufgetaucht ist. Um die nächste Ecke geschlichen.
Oder beim Essen. Du sitzt alleine am Tisch und willst gerade mit Deinem Mahl beginnen. Auf einmal ist er da. Setzt sich Dir gegenüber (genau genommen meist schräg gegenüber) hin und starrt Dich wortlos an. Kein ‘Servus, ist da noch frei’ oder ‘Grüß Gott, darf ich mich dazusetzen’, nicht einmal ein ‘Mahlzeit’ entschlüpft seinem Kopf. Dann beginnt er zu essen. Mit leidendem Gesichtsausdruck. Während er fortwährend entweder Dich oder diesen fiktiven Punkt hinter Dir an der Wand fixiert.
Was soll man nun von so einem Wesen halten ? Was empfindet man ? Mitleid ? Unbehagen ? Unverständnis ? Eine gesunde Prise Angst ??
Fast unmöglich einen solchen immerfort umherschleichenden Kameraden vor die Linse zu bekommen (wenn man den Speisesaal mal als Tabu voraussetzt). Doch nach endlosen Versuchen ist es mir endlich geglückt. Ein Prachtexemplar – beim Davonschleichen.
Zugegeben, es gibt noch einen anderen Grund, warum ich ihn auf diese Weise fotografieren musste. Persönlichkeitsrechte und dieser ganze Unfug. Kennt man ja. Und irgendwie wollte ich ihn auch nicht fragen.
“Entschuldigung, darf ich Sie fotografieren ? Ich möchte einen Artikel über Sonderlinge schreiben und bräuchte Ihr Foto dazu…” Weiß nicht…
Wie auch immer: Schönes Wochenende auch !!
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