November 10th, 2010

B.R.D. Tag XXVII

Damit endlich Ruhe ist.

Nachdem 1000 Menschen danach gefragt haben.

Nachdem ich mir 1000 mehr oder minder witzige Kommentare darüber anhören musste.

Nachdem ich es echt nicht mehr hören kann.

Das ist er also.

Aber nicht daß Ihr meint, ich hätte mich mit einem zufrieden gegeben. Ich habs krachen lassen. JEDEN TAG EIN NEUER. Wenn ichs doch sage.

Aber rückblickend kann ich beurteilen: Irgendwie unterscheiden sie sich gar nicht so sehr von denen zu hause…

Randnotiz:

Hatte ich bisher noch ab und an kleine Zweifel an der Weltstadt-Tauglichkeit Reichenhalls, so wurden die heute morgen PULVERISIERT.
Das einzige, was bislang noch den Unterschied zu den anderen Metropolen des Planeten ausmachte, war die etwas geringere Promi-Dichte.
Diesen gedanklichen Einwand kann und darf ich mir selbst gegenüber nun nicht mehr gelten lassen.
Gehe ich doch heute früh nichtsahnend zum Cafe meines Vertrauens, um dem doppelt aufgebrühten Filterkaffee der Anstalt einen zünftigen, doppelten Espresso folgen zu lassen.
Stehe ich doch da in mich versunken am Tresen.
Wer steht neben mir ??

Nicht irgendein drittklassiges Soap-Sternchen. NEIN.
Nicht irgendein zweitklassiger Regionalpolitiker. NEIN.
Nicht irgendein abgehalfterter Schlagersänger. NEIN.

Da steht er höchstpersönlich. DER PAPST.

Gut, der volle Titel des Herrn lautet wohl eher Kiffer-Papst.
Aber wie dem auch sein: Neben mir steht leibhaftig und in voller Größe:

Der Söllner Hans.

Ein denkwürdiger Tag.

November 8th, 2010

B.R.D. Tag XXVI

Montagmittag Downtown Reichenhall. Meine letzte Woche ist angebrochen. Die Zeit ging rasend schnell vorbei. Und die letzten Tage werden sicher NOCH schneller vorbeifliegen. Die aktuellen Ereignisse lassen da keine Zweifel aufkommen. Bevor es zur ersten ‘Abschlusskundgebung’ geht schnell noch einen fantastischen Espresso in meinem Stammlokal.

Dann wird es ernst. Versammlung aller Abgänger der Woche in der Villa Morgenrot. Meine Güte: Wenn die alle weg sind, ist doch die Bude hier leer. Irre. Und alle sind sie gekommen:
Der Schleicher, Gregory, Manni… einfach alle. Alle die lustigen Menschen, die einem durch ihre Eigenheiten fast schon ans Herz gewachsen sind.

Dann geht es los: Der Chef des Hauses hält eine Ansprache und erwünscht sich möglichst vielfältiges Feedback über unseren Aufenthalt. Soweit keine besonderen Vorkommnisse. Bis es um die Kantine geht. Nach durchweg positiven Kritiken meldet sich ein bislang an dieser Stelle vernachlässigtes, lustiges Kerlchen mit Kugelbauch zu Wort.

Hier muss ich kurz ausschweifen. Ich hätte ihm nämlich beinahe schon einmal einen Artikel gewidmet, als er sich in der Kantine bei der Essensausgabe der Reduktionskost echauffierte: Es sei doch nun wirklich egal, ob man ihm 2 oder 4 Wiener zu seinem Kartoffelsalat gebe. Das wäre doch überhaupt kein Problem. Und sowieso müsse er das ja wissen, denn er sei schließlich gelernter Koch.

Dies scheint nicht sein einziges Erlebnis in der Kantine gewesen zu sein. Und damit wieder zurück zu der heutigen Wortmeldung:
Er habe doch lediglich ganz normal gefragt, ob er nicht einen Nachschlag haben könne, da habe man ihn bei der Essensausgabe ‘ganz dumm angequatscht’. Und das ginge so ja gar nicht.

Verblüffte Gesichter bei der Klinikleitung.

Dann eine Wortmeldung eines von mir sehr geschätzten Reha-Genossen.
Er habe die Situation zufällig miterlebt. Und ob es nicht EVENTUELL daran liegen könne, daß der Kollege vorher schon im anderen Essens-Saal diniert habe…

Verblüfftere Gesichter bei der Klinikleitung. Erstes Schmunzeln beim Volk.

Hochroter Kopf beim lustigen Kerlchen.

Das stimme doch so gar nicht. Verleumdung. Verschwörung. Zeter. Mordio.

Kurze Nachfrage des geschätzten Genossen: Wieso Kerlchen denn eigentlich mal im normalen und mal im reduzierten Speisesaal anzutreffen gewesen sei.

Auch das sei eine infame Unterstellung und er sei IMMER und VON ANFANG AN im normalen Speisesaal gewesen….

Ich erspare Euch die weiteren Details…

Nur so viel: Die Klinikleitung musste einschreiten und die Gemüter beruhigen…

November 8th, 2010

B.R.D. Tag XXIV

Heimaturlaub. Der erste seit meinem Einzug hier. Und der gestaltet sich ein wenig schwieriger als erwartet. Auf meine Anfrage bei der Stationsschwester, ob es denn langt, wenn ich mich bei ihr abmelde, ernte ich ein mitleidiges Lächeln. Die nette Dame händigt mir ein Formular aus (wie konnte es auch anders sein), das ich nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen möge.

Grund der Abwesenheit…

‘Gaslight Anthem Konzert’ erscheint mir denn doch zu mutig.

‘Unaufschiebbare ,persönliche Termine’ klingt doch gleich viel unverfänglicher…

Ansonsten ist der Wisch gar nicht so schlimm wie befürchtet.

Also zurück damit zur Schwester.

Die muss nun erstmal einen Arzt suchen gehen, da meine Stationsärztin sich ein paar freie Tage gönnt.

Eine ganze Weile später klingelt mein Telefon: Man habe nun einen Arzt gefunden, der habe mein Vorhaben bewilligt, ich könne nun mit dem Schriftstück zur Verwaltung gehen, um mir den dortigen Segen abzuholen.

Dort angekommen erwische ich doch tatsächlich auf Anhieb den zuständigen Herrn – und kann mein Glück kaum fassen.

Bis er meinen Antrag in Händen hält:
Jaaaa, so gehe das aber nicht. Abwesenheiten über Nacht können nur in absoluten Ausnahmefällen genehmigt werden. Und dann auch nur für EINE NACHT.

Wie blöd. Jetzt war das Ding so gut wie durch, und dann macht die Bürokratie mir doch noch einen Strich durch die Rechnung…

Als ich dann endlich losfahren kann die nächste Überraschung:

Der Zug ist pünktlich…

Zumindest der erste Zug, der mich nach Freilassing bringt.
Dort sind 30 Minuten Aufenthalt geplant. Ich sitze auf dem Bahnsteig und lasse mir die Sonne auf die Nase scheinen. Es gibt schlimmere Schicksale. Und schließlich habe ich nur noch 90 Minuten Fahrt vor mir.
Leider kommt es, wie es kommen muss: Der zweite Zug hat schlappe 40 Minuten Verspätung…

Nachdem ich dann meine diversen Termine erledigt habe, geht es dann zu guter Letzt auch zum ‘Gaslight Anthem’ Konzert in die Tonhalle. Dazu gibt es 3 Dinge zu sagen:

1. Gaslight Anthem waren prima.

2. Gaslight Anthem wären sicherlich noch besser gewesen, hätte man einen der wenigen Plätze in der Tonhalle mit einer erträglichen Akkustik erwischt. Ich mag sie einfach nicht, die Tonhalle…

3. Special Guest ‘Chuck Ragan’ war ne Macht. Und ich kannte den Herrn vorher nicht. Ich gestehe: Eine echte Bildungslücke !

Sonntagabend dann ein deutlich entspanntere Fahrt mit dem Auto.

Und dann gehts auf in die letzten Tage…

November 7th, 2010

B.R.D. Tag XXII

Mein erster Gedanke: Legebatterie. Massentierhaltung.

Und was soll ich bitteschön hier anstellen ?

Wie soll denn bloß MEIN Beitrag zum täglichen Frühstück aussehen…?! Ich wollte den Gedanken nicht zu Ende denken.

Doch ich bin noch einmal mit dem Schrecken davongekommen:
Es handelt sich hierbei lediglich um eine Inhalationsanlage. Hier durfte ich fortan jeden Tag nach dem Frühstück antreten, um meine geliebte SOLE zu inhalieren. Auch wenn die Apparatur etwas angsteinflößend ausschaut, und auch wenn es sicher nettere Dinge gibt als allmorgentlich angestöpselt zu werden: Ich werde meine Sole vermissen…

November 4th, 2010

B.R.D. Tag XXI

Neuzugänge in der Anstalt.
Der Fitnessraum zwängt sich gerade als Ort für soziale Studien ein wenig in den Vordergrund. Und die beiden neuesten Erscheinungen kann und will ich Euch nicht vorenthalten. Manni und Gregory (Namen wurden natürlich von der Redaktion geändert – und eventuelle Ähnlichkeiten mit realen Personen sind durchaus gewollt und unvermeidlich).
Fangen wir mit Gregory an. Gregory ist eine Mischung aus einem Luden mit Emigrationshintergrund und einem rumänischen Tennismanager. Gregory hat die Frisur von Yul Brynner und den Bart von Dschingis Khan. Zum Training läuft er grundsätzlich in schwarzen Boxerstiefeln auf. Dazu ein Mittelding aus Jogging- und Anzughose, wie ich es in dieser Form nie zuvor bewundern durfte. Ein schwarzer Kapuzenpulli verdeckt nur kurze Zeit ein ebenso schwarzes Muscleshirt, das wiederum den stattlichen Puffbrausebauch nur unzureichend im Zaum hält. Seit Gregory im Hause gastiert, erlebt das Solarium einen niemals erwarteten und erst recht noch nie dagewesenen Umsatzanstieg. Ich gehe davon aus, daß ich den dezenten Goldschmuck nicht extra erwähnen muss…
Kommen wir zu Manni. Manni ist die glorreiche Kreuzung aus einem abgehalfterten Volksmusiker und einem Gebrauchtwagenhändler. Sein Haupthaar ist halb Minipli und halb gewagte Föhnfrisur. Vokuhila versteht sich von selbst. Manni trägt vorzugsweise BMW Racing Schuhe und das dazu passende Shirt (vermutlich eine Leihgabe seines unehelichen Sohnes in der Pubertät). Das große Glanzlicht seines Outfits ist jedoch die Hose. Sagt Euch Mario Kempes noch etwas…? Oder meinetwegen auch Paul Breitner. Beide trugen ja zu ihrer Zeit das Beinkleid ihrer Sportgarnitur gerne so, daß eher nichts flattert… Manni bevorzugt diese Tragweise ebenfalls. Seine Turnhose ist aus einem undefinierbaren, glanzlosen Stoff und hat 2 (!!) Streifen.
Manni trägt ein schwer zu beschreibendes Etwas um den Hals, das sich nur bei näherem Hinsehen und durch die Existenz von Kopfhörern als Musikabspielgerät zu erkennen gibt. Erst vermutete ich ein Relikt aus den 80ern – den guten, alten Walkman- und mir wurde fast ein wenig wehmütig. Bei erneutem, unauffälligem aber detailliertem Studium gab es jedoch gewisse Hinweise auf einen digitalen Hintergrund.

Diese beiden Sportsfreunde beehren uns also fortan mit ihrer Anwesenheit.

Und ich frage Euch: Wie soll man denn da einer ernsthaften, sportlichen Aktivität nachgehen…?