Archive for the ‘Städtetrips’


Published November 12th, 2013

Brooklyn Diaries Pt. II

eastvillage

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Tag 2 beginnt, wo der vorherige aufgehört hat: Am Broadway. Von hier aus schlendern wir durchs East Village. Hier bestätigt sich mal wieder, dass gerade solche Viertel, die ihre besten Zeiten schon eine geraume Weile hinter sich haben, durchaus einen gewissen Reiz ausüben können. Für uns besonders interessant ist natürlich auch “Little Bombay” mit seinen vielen Indischen Restaurants.

Den kleinen Snack zwischendurch gibt’s dann jedoch woanders: Katz Delicatessen! Hier gibt es das vielleicht berühmteste Pastrami Sandwich der Welt. Um mitreden zu können essen wir NATÜRLICH eines. Und man kann sagen was man will: Das ist ein Erlebnis… (Und nicht vergessen: Send a Salami to Your Boy in the Army!)

katz

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Als nächstes führt unsere Route quer durch Greenwich Village in etwas angesagtere Gefilde: Meatpacking District. Nach einem Aperitiv im “Pastis” (Nomen est Omen und Henri B. schmeckt an jedem Ort auf dieser Welt) kommen wir zu einem weiteren Highlight: Spice Market! Ein sehr angesagter Laden in einem hippen Viertel. Sehr dunkel. Sehr gemütlich. Sehr coole Musik. Fantastische Küche. Eine grossartige, asiatische “Crossover-Karte” mit unzähligen spannenden Gerichten. Toll.

lane

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An Tag 3 kommen wir zu einem mit Spannung erwarteten Besuch an einem der bekanntesten Orte der Welt. Der NYSE – einigen vielleicht besser bekannt unter ihrer Adresse: Wall Street! Über den Bekannten eines Bekannten haben wir die Ehre, das Zentrum der globalen Finanzmärkte nicht nur von aussen betrachten zu können. Wir dürfen ins Allerheiligste und finden uns nach Sicherheitskontrollen wie am Flughafen auf dem Parkett wieder. Das hat schon was… Nach fast 2 Stunden Aufenthalt und langen und sehr interessanten Gesprächen mit den handelnden Personen, ist dann endlich auch der US Shutdown beendet und der Senat hat einen Kompromiss im Haushaltsstreit gefunden. Wer will da an einen Zufall glauben…?!

koffergeheimnis

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Nach einer ausgiebigen Runde im Financial District, einer weniger ausgiebigen Runde beim WTC (911 Memorial etc. aufgrund eines fürchterlichen Baustellenchaos eher unschön und anstrengend), laufen wir zurück über den Broadway “uptown”. Nach einem gemütlichen Fussmarsch biegen wir irgendwann noch einmal ins East Village ab, um nach einem Brooklyn Lager erneut “Little Bombay” aufsuchen. Aber diesmal mit Hunger und grosser Lust auf Curry… Wir werden nicht enttäuscht!

Auf dem Heimweg wollen wir noch eine Kleinigkeit fürs Frühstück einkaufen. Macht uns dieser Supermarkt doch tatsächlich die Tür vor der Nase zu. Und das um 22:50 Uhr. SERVICEWÜSTE BROOKLYN sag’ ich da nur…

Published November 8th, 2013

Brooklyn Diaries Pt. I

Das ist es also: Dieses New York. Man hat ja schon gar so viel davon gehört. Gelesen. Gesehen.

Man glaubt fast die Stadt bereits zu kennen, ohne jemals dort gewesen zu sein (jaja, ich war noch niemals in New York, lalala…). Filme, Bilder, Berichte, Musik… Und nun ist es ENDLICH soweit.

Abends angekommen am JFK fahren wir, nachdem die leidige Einreiseprozedur erledigt ist, mit dem Taxi nach Blackbush zu unserer Bleibe für knapp 2 Wochen. Die Spannung steigt, wieviele von den sehr unterschiedlichen Infos zu dem Viertel (noch) den Tatsachen entsprechen. Und tatsächlich erinnert unsere Strasse vielmehr an gutbürgerliches Vorstadtleben als an brutale Bandenkämpfe rivalisierender Latino-Gangs.

Nach einem kleinen Rundgang, um die Lage zu erkunden und Frühstück einzukaufen, gibt es noch ein “Brooklyn Lager” und dann wird früh geschlafen. Denn am nächsten Tag haben wir eine große “Exkursion” geplant.

brooklyn

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Ausgeschlafen, nach einer Tasse Tee, machen wir Bekanntschaft mit “Mr. Rabbit” auf dem Nachbargrundstück, ehe wir losmarschieren und die Myrtle Ave. entlang einen Großteil von Brooklyn durchqueren. Wir bekommen einen ersten Eindruck der verschiednen Viertel (Bushwick, Bedford Stuyvesant, Clinton Hill, Fort Greene, Brooklyn Heights,Dumbo…) und ihren unterschiedlichen Bewohnern. Aus unserem Latino Viertel (ich weiss noch immer nicht, ob der Begriff politisch korrekt ist…) kreuzen wir Gegenden mit fast ausschliesslich jüdischer Bevölkerung, begegnen in vielen Strassen ausnahmslos farbigen Bewohnern, um letztlich in Brooklyn Heights den ersten Blick auf die Skyline von Manhattan zu geniessen. Wow!

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Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits 8km Fussweg hinter uns, den ersten Bagel in einem Deli in Bushwick gefrühstückt, die erste Halal-Bude getestet und eine Pre-Paid-Karte fürs iPad organisiert.

halal

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Unser Weg führt uns über die Brooklyn Bridge (welch ein Klassiker) nach Manhattan.

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Eine Runde durch Chinatown erweist sich als ganz lustig, aber nicht spektakulär. Ebenso verhält es sich mit dem kleinen, abenteuerlichen Imbiss, den wir hier zu uns nehmen. Gleich nebenan erreichen wir Little Italy – oder besser gesagt: Das was davon übrig geblieben ist… Denn wo früher italienische Paten über einen ganzen Stadtteil regierten, ist heute noch mehr oder weniger eine Strasse mit italienischen Restaurants geblieben (die den Charme von Rüdesheim an der Weinstrasse versprüht). Den Rest “ihres Viertels” haben die Italiener an die Chinesen verloren. Das lassen wir hier mal unkommentiert stehen…

Wir laufen noch eine Weile über den Broadway, ehe wir uns in die Bahn setzen und es gut sein lassen für den ersten Tag.

To be continued (aber keine Bange: Nicht jeder Tag wird so ausführlich abgehandelt…)

manhattanbridge

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Published März 27th, 2013

Marseille

“Marseille wendet Frankreich den Rücken zu und blickt aufs Meer…”

Tag 1:

 Aufgrund des Lufthansa Streiks erfolgt unser Abflug 8 Stunden später als geplant. Das ist ein wenig schade – aber es hätte schlimmer kommen können. Wenigstens werden wir vorher informiert und können von zu hause umbuchen.

 Dank Online Check-In, Gepäckaufgabeautomaten und Apples “Passport” läuft wenigstens beim Ersatzflug alles zügig und einwandfrei und an den Schlangen der anderen Umbucher vorbei.

 Angekommen in Marseille geht es mit dem Taxi ins Hotel auf dem Cours Belsunce (allein diese Strasse wäre einen ganzen Absatz wert mit ihrer Geschichte und ihren Eindrücken) um dort unsere Zimmer (ist das nun ein Penthouse oder ein ausgebauter Speicher ?!) zu beziehen. Wir brechen auf, eine erste Runde zum Hafen in Angriff zu nehmen (schliesslich ist der gleich ums Eck…) und ordnungsgemaess einen Begruessungs-Sundowner in Form eines klassischen Pastis vor Hafenkulisse im “Cafe des Arts” zu nehmen.

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 Zum Abendessen möchten wir zu “MICHEL“  , wo wir nach einem kleinen Fussmarsch den letzten Tisch ergattern. Schwein gehabt! Und nun beginnt ein kulinarisches Highlight der Extraklasse:

Erst werden die frischen Fische präsentiert (Petersfisch, Knurrhahn, Rotbarbe, Wolfsbarsch – der eine zuckt noch!).

Dann wird das geröstete Brot mit Rouille und Aioli gebracht.

Als nächstes wird die Suppe serviert.

Dazu kommt der Fisch, der in der Suppe gegart und nun am Tisch filetiert wird.

Ausserdem Kartoffeln (ebenso in der Suppe gegart).

Man hat einen Teller mit Suppe, und einen Teller mit Kartoffeln und Fisch.

Das  geröstete Brot wird mit der Rouille bestrichen und in die Suppe getaucht

Den Fisch geniesst man mit einem Hauch Aioli.

Und so löffelt man von rechts und löffelt von links und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus.

Nach einer unfassbaren Menge Fisch und 3 Tellern Suppe ist es geschafft.

Und wir sind so satt, dass selbst der geliebte Gateau ausfällt… Zurück gibt es einen feinen Spaziergang am Meer entlang und durch das nächtliche Marseille, ehe es ab ins Penthouse zur Nachtruhe geht.

  

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Tag 2:

 Nach einem Cafe Au Lait mit dazugehörigem Croissant heisst es “Aufbruch zum legendären Fischmarkt”. Und der wird seinem Ruf gerecht. Grossartig. Irgendwie familiär. Extrem sympathisch. Faszinierend. Lustig. Fast provinziell. Man hat überhaupt nicht das Gefühl, in der zweitgrössten Stadt Frankreichs zu sein, sondern fühlt sich wie in einem kleinen Fischerdorf.

Weiter geht’s ins berühmt- berüchtigte Panier-Viertel (quasi die Altstadt). Enge Gassen und entsprechende Häuser, bis vor einiger Zeit noch kaum ohne Personenschutz zu bestaunen, sind nun alle (etwas zu) schön hergerichtet und erstrahlen im “Kulturhauptstadtglanz”. Wie stand in einem Artikel so schön geschrieben:

“La Ville Rebelle” – die aufsässige Stadt – wird hübsch und sauber gemacht.

Ohne die Historie wäre das prima anzusehen – so aber bleibt ein zwiespältiges Gefühl: So schön das alles ausschaut – wohin man wohl all’ die umgesiedelt hat, die sich die neue Schönheit nicht mehr leisten können…?!

Allerdings sollte man sich als Deutscher mit seiner Meinung diesbezüglich ein wenig zurückhalten. Waren doch unsere Vorfahren an der letzten – ähm – “Umsiedlung” nicht ganz unbeteiligt…

 Was nun folgt ist eine kleine Stärkung. Oder auch Schwächung. Ansichtssache. Auf jeden Fall folgt eine kleine Degustation im “Maison Du Pastis” . Pflichtprogramm.

95 Sorten Pastis und Absinth. Einige davon auch aus eigener Herstellung. Feines Zeug. Leider kann ich nicht ALLE probieren…

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 Zurück geht’s zur Canabiere, über den Cours Belsunce, zwischen afrikanischen Märkten mit bunten Farben und exotischen Früchten hindurch weiter zum Cours Julien; dem Kreuzberg von Marseille. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Alles ist im Umbruch. Auf der einen Seite Häuser mit wildem und faszinierendem Graffiti. Eine Strasse weiter alles frisch renoviert und vielleicht einen Hauch zu sorgfältig gekehrt. Dazwischen wunderbare Cafes, Restaurants, Brasserien…

 Es folgt der längste Fussmarsch der Reise: Vom Cours Julien zur Notre Dame De La Garde. Ob man nun ein grosser Freund von Kirchen ist oder nicht: Ein Besuch in Marseille ohne auf den Berg zu klettern – und sei es auch nur der Aussicht wegen – ist wohl undenkbar. Wie an solchen Orten üblich, ist man natürlich nicht alleine auf diese Idee gekommen. Zum Glück ist noch März – das Wetter nur “so mittel” und daher hält sich der Andrang noch einigermassen in Grenzen.

 Auf dem Rückweg zum Hotel liegt  – was ein Zufall – das Cafe des Arts. Warum nicht einen kleinen Sundowner nehmen. Schliesslich ist Marseille berühmt für seinen Pastis…

 Über das Couscous Erlebnis am späteren Abend hüllen wir die Kameldecke des Schweigens…

 

Tag 3:

 Der Tag beginnt ein wenig verregnet. Nach einem ausgiebigen Frühstück, einem kurzen Besuch auf dem Fischmarkt (er ist halt gar so schön und liegt auf dem Weg) verlegen wir unsere Aktivitäten erstmal auf Innenräume diverser Art. Nicht zuletzt ein ausgiebiger (und erfolgreicher) Besuch bei Maison Empereur lässt den Freund von Kochutensilien und Messern aller Art deutlich höher schlagen!!

Nach ausgiebigem Gebummel ist es irgendwann Zeit für einen kleinen Imbiss. Da das Wetter sich ein wenig bessert und es am Cours Julien gar so schön war, fällt die Wahl leicht. Schon bald sitzen wir, ganz nach französischer Lebensart, bei einem wunderbaren, kleinen Lunch und einer wunderbaren Flasche Cote de Provence in der Sonne. Das mit dieser französischen Lebensart hat schon durchaus seine Vorzüge… Und weil der Wirt so nett fragt, trinken wir auch so ein grünnes Zeug mit ihm. Auf Vincent!

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Nach dieser extrem gemütlichen Pause machen wir uns auf die Suche nach dem “83er”. Mit dieser Buslinie wollen wir ein wenig aus der Stadt und ans Meer fahren, um wenigstens einen kleinen Einblick in die Küstenlandschaft zu bekommen.

Nach dieser Exkursion dürfen wir mit Genugtuung feststellen, dass der “83er” uns den Gefallen tut, doch tatsächlich auf dem Rückweg am “Cafe des Arts” vorbeizukommen. Zufälle gibt’s im Leben. Wir nutzen diesen geradezu schicksalhaften Umstand und steigen kurz zu einem kleinen Sundowner aus. Schliesslich ist Marseille die Stadt des Pastis, und mit Blick auf den Alten Hafen schmeckt der sogar noch besser.

 

Tag 4:

 Am Abreisetag erleben wir den wettermässigen Tiefpunkt. So bleibt nichts anderes zu tun, als extrem ausgiebig zu frühstücken, und den Trip, zum Überbrücken der Zeit bis zum Rückflug, noch ein wenig Revue passieren zu lassen. Was hat man nun von der Stadt zu halten?!  Wieviel Marseille kann man in so kurzer Zeit aufnehmen?! Was bekommt man überhaupt mit – und was bekommt man besser nicht mit?! Was überwiegt?! Die unvergessliche Bouillabaisse oder die Betonklötze in der nördlichen Vorstadt. Da wo die Arbeitslosenquote knapp 30% beträgt und die Rauschgiftmafia der grösste Arbeitgeber ist. (FAZ: Stadt des Verbrechens)

In Marseille bekommen uns allgegenwärtige Begriffe wie “Schmelztiegel der Kulturen”, “Multi-Kulti” oder auch “Gentrifizierung” eine völlig andere Dimension als bei uns. Marseille ist eine Stadt der Gegensätze. Aber das macht es natürlich auch faszinierend. Es dürfte spannend sein, die weitere Entwicklung zu beobachten – und das sicherlich auch mal wieder vor Ort.

 In diesem Sinne: Au Revoir!

http://goo.gl/maps/p3grW

Published Juli 12th, 2012

Berlin (Part II: Kreuzberg)

Freitag lassen wir es sehr entspannt angehen. Wir fahren mit der Bahn zum “Kotti” und lassen uns erstmal gemütlich in einem der wundervollen Cafes am Maybachufer nieder. Dann wagen wir den Weg über die Brücke des Landwehrkanals und haben ein etwas mulmiges Gefühl: Wir wollen zum Türkenmarkt, den wir von unserem letzten Besuch vor einigen Jahren in bester Erinnerung haben.

Nun hat sich in Kreuzberg und Neukölln vieles verändert, und wir sind ein wenig skeptisch, ob der Markt nicht viel von seinem Charme verloren hat. Doch unsere Sorgen sind unbegründet. Alles ist noch fast so wie in unserer Erinnerung: Tolle Stände, Riesenauswahl, faire Preise, nette Menschen, feine Atmosphäre, kulinarische Köstlichkeiten. Nach türkischen Hefekringeln zum Frühstück gibt es frische, gebackene Kochbananen mit scharfer Ingwersauce aus Ghana.

Wir landen an dem Gewürzstand von Herrn Charaf aus Indien. Was soll ich sagen: Hier sollte “Schuhbecks ihr Fonsi” mal in die Lehre gehen. Die meisten Gewürze sind leider, bis sie in unseren Breiten landen, nicht mehr wirklich aromatisch. Nicht so bei Herrn Charaf. Uns bietet sich ein nie erlebtes Feuerwerk an Aromen. Wir erstehen eine ca. 60cm lange Zimtstange aus Vietnam, deren Intensität uns aus den Schlappen haut, und sonst noch “ein paar Kleinigkeiten”…

Unser Weg führt uns weiter nach Neukölln (bislangwaren wir in  Kreuzkölln, wie man mittlerweile das Grenzgebiet der beiden Stadtteile um den Reuterkiez bezeichnet). Es ist verwirrend. Ist man gerade noch in “Klein-Istanbul” so findet man nur eine Ecke weiter eine Seitenstrasse wie am Glockenbach. Mit (etwas zu) netten Cafes und (etwas zu) trendigen Kneipen und (etwas zu) coolen Leuten. Um die nächste Ecke steht man dann wieder vor Wettbüros, Dönerläden und kleinen, düsteren Teestuben mit ausnahmslos männlicher Kundschaft. Was soll man davon halten? Ist das nun der besondere Charme des Viertels? Oder ist das vielmehr auch nur Indiz der Gentrifizierung? Die Süddeutsche Zeitung hat vor kurzer Zeit einen wunderschönen und sehr traurigen Artikel dazu veröffentlicht: “Liebling Kreuzberg: („Klein Istanbul“ nennen die Türken ihren Kiez in Berlin. Aber ist er noch ihr Kiez? Viele müssen wegziehen, weil ihre Heimat den Reicheren lieb und teuer geworden ist…..)”. Leider ist der Artikel online nicht mehr aufrufbar. Hier wird das ganze Dilemma eines sterbenden Stadtteils sehr anschaulich dargestellt.

Nach einer ausgedehnten Runde landen wir wieder am “Kotti” und haben uns einen weiteren kulinarischen Hochgenuss verdient. Denn hier gibt es  – und da lege ich mich fest – den BESTEN DÖNER DER WELT. Tadim ist eine Institution. Und wird es auch hoffentlich noch lange bleiben. Wer hier einmal das frisch gesäbelte Fleisch in Kombination mit fein angemachten und abgeschmeckten Salaten in frisch gebackenen Fladen geniessen durfte, der steht den meisten Mitbewerbern fortan eher skeptisch gegenüber. Dazu gibt’s ordnungsgemäss wohltemperiertes Ayran und ein Plätzchen an der Sonne.

Wir beenden unseren Kreuzberg Ausflug und kehren zurück nach Charlottenburg. Hier lassen wir den Tag ausklingen wie wir ihn begonnen haben: Entspannt. Dabei gibt es viel Gesprächsstoff dank der vielen Eindrücke.

Mir blühen lediglich noch 2 Überraschungen: Zuerst bin ich gelinde gesagt etwas schockiert, als mir erst auf der Kantstrasse ein Wolpertinger (!) begegnet. Und dann sitzen wir beim Thai ums Eck (womit wir wieder bei meiner Theorie wären: Es gibt in Berlin einfach die deutlich besseren Asiatischen Restaurants zu deutlich faireren Preisen…) und ich plötzlich meinen Augen nicht traue, als passend zu meinem Phad Thai ein TukTuk ums Eck biegt… Leider habe ich davon kein Bild – aber es war da- ganz ehrlich – und ich habe Zeugen!

Der Samstag verläuft ohne nennenswerte Vorkommnisse. Unser traditioneller Besuch beim Inder ist ein klein wenig enttäuschend: Sorry Spice India, aber da hattest Du beim letzten Mal mehr drauf… Dann werden unsere Aktivitäten durch einen heftigen – und etwas längeren -Platzregen etwas eingeschränkt. Aber das ist gar nicht weiter schlimm. Berlin hat sich wieder einmal gelohnt. Und bestimmt finden wir auch nächstes Jahr wieder einen Grund für einen Besuch.

Published Juli 11th, 2012

Berlin (Part I: Pearl Jam)

Es geht Schlag auf Schlag. Gerade vom grandiosen Offroad Wochenende erholt, steht das nächste Highlight an. Nachdem sich Schalke leider nicht fürs Pokalfinale empfehlen konnte (statt dessen durfte ja heuer der Faschingsclub aus dem Nachbarort in seinen albernen Bienenkostümen auftreten) und auch U2 sich gerade nicht auf Tournee befinden, liefern uns PEARL JAM einen willkommenen Grund für den diesjährigen Trip in die Hauptstadt. Bei Kaiserwetter darf der Wrangler “oben ohne” auf die Strasse und nach einem kurzen Zwischenstopp in Ingolstadt (jaja…) kommen wir ohne grössere Zwischenfälle in unserem Hotel in Charlottenburg an.

Nach der langen Fahrt haben wir uns einen kleinen Snack bei Mr. Hai & Friends verdient – und dazu gibt’s ein wohlschmeckendes Tiger. Jeder, der einmal in den zweifelhaften Genuss von Schultheiss und/oder Berliner Pils gekommen ist, weiss ein solches Erzeugnis fernöstlicher Braukunst sehr zu schätzen.

 Am darauffolgenden Morgen machen wir die erste wunderbare Entdeckung gleich ums Eck: Der Kuchenladen –zaubert nicht nur grandiose Kuchenkreationen aus dem Ofen (die Tiroler Apfeltarte ist eine Legende), sondern bereitet dazu noch einen fantastischen Kaffee zu.

Gestärkt und wohlgelaunt treiben wir uns ein wenig in “Mitte” herum, bummeln durch lustige Läden (viele davon provisorisch und nur wegen der Fashion Week) und freuen uns auf den Mittagstisch im Thai Inside. Nein, wir sind nicht nur zum Essen in Berlin, aber ein paar Anlaufstationen haben sich einfach brutal bewährt. Ausserdem hat Berlin einfach einen grossen Vorteil gegenüber München: Es ist eine ECHTE Großstadt mit einer ECHTEN asiatischen Community. Da muss man wohl als Betreiber eines Thai-, Vietnam, China- oder Indischen Restaurants schon anders an die Sache herangehen, als wenn man – wie in München – letztlich nur für den bajuvarischen Gaumen kocht.

 Es wird Zeit, nach einem kurzen Abstecher im Hotel, die Reise zur Konzertlocation anzutreten: Der O2 World. Charlottenburg hat sich auch deshalb sehr bewährt, weil die Anbindung ziemlich optimal ist. So besteigen wir die S-Bahn und können durchfahren bis zum Ostbahnhof. Unterwegs haben wir – wie meist in der Hauptstadt – eine mehr oder weniger gelungene musikalische Untermalung der Fahrt. Diesmal haben wir Glück: Der junge Punk in unserem Abteil kann tatsächlich ein paar Akkorde auf der Gitarre spielen ohne sie kaputt zu machen. Dazu singt er ein lustiges Lied von arbeitsscheuen Menschen. Die letzte Textzeile lautet “Ich mach’ nicht mit in Eurem Karnevalsverein…”. Grenzwertig. Aber wenigstens ehrlich…

 

Angekommen bei der O2 World bietet sich uns ein zwiespältiger Eindruck: Einerseits ist das ein beeindruckender Bau mit einer grandiosen Verkehrsanbindung (über Ostbahnhof und Warschauer Strasse werden sämtliche Optionen des Öffentlichen Nahverkehrs ausgenutzt, dazu kommt sogar der Wasserweg über die Spree). Es gibt trotz Ausweiskontrolle (personalisierte Tickets) kaum Wartezeiten. Auch die Getränkeversorgung scheint gut organisiert zu sein.

Hier kommen wir aber auch schon zum ersten Kritikpunkt: Die Qualität lässt sehr zu wünschen übrig. Das haben nicht nur wir erkannt, sondern auch die Fans der hier ansässigen Eisbären Berlin, was vor einiger Zeit sogar zu Demonstrationen führte. Überhaupt gibt es, wie bei solchen Grossprojekten üblich, genug Anlass zur Kritik: Abgesehen von der Gentrifizierung der umliegenden Kieze und anscheinend prekären Arbeitsbedingungen wurde auch ein Teil der denkmalgeschützen Hinterlandmauer East Side Gallery abgerissen. Nicht umsonst haben die Berliner dem Klotz sehr bald den Spitznamen “Kotzbrocken” verpasst.

  

Doch nun zum eigentlichen Grund unseres Besuchs: Bereits zum letzten Stück des Supports “X” lässt es sich Mr. Eddie Vedder nicht nehmen, die Herrschaften gesanglich zu unterstützen. Gegen 21.00 Uhr ist es dann soweit: Die Herren Vedder, Ament, Gossard, McCready, Cameron und Gaspar betreten zu den Klängen von Philip Glass’ “Metamorphosis” die Bühne und zeigen mit ihrem Opener “Oceans” vom legendären TEN Album gleich mal, wo der Bartel den Most holt (wie man in Seattle zu sagen pflegt). Ein Konzert mit einem Song zu beginnen, den man seit 1996 gar nicht mehr in Europa gespielt hat, zeugt doch von einer gewissen Flexibilität. Bereits der dritte Song ist dann “Animal” und macht einem klar, was diese Band für ein Repertoire im Gepäck hat. Eddie ist redselig und gut gelaunt, erzählt von seinem ausgiebigen Besuch im Ramones Museum und stellt fest, dass wir uns auf dem 999. Pearl Jam Konzert befinden…  Matt Cameron merkt man seine Doppelbelastung keineswegs an (er spielt nebenher in einer Nachwuchscombo namens SOUNDGARDEN) und Mike McCready spielt feine Soli – gerne auch mal überkopf. Die Akkustik im “Kotzbrocken” ist gar nicht so schlecht wie befürchtet, und selbst die meist leeren VIP-Lounges können der feinen Stimmung nichts anhaben. ”Go” beendet den ersten Teil des Konzerts, der mit einer Coverversion von Pink Floyds “Mother” seine Fortsetzung in der ersten Zugabe findet. Nach einem ruhigen Teil (Just Breathe, Nothingman, Better Man…) verabschiedet sich die Band erneut um mit “Blood” ein weiteres Frühwerk (in diesem Fall von Vs.) zum Besten zu geben. “Alive” beendet das Konzert vermeintlich. Doch auch wenn die Hallenbeleuchtung schon angeht, so lassen sich die Herrschaften davon nicht abhalten auch noch ein weiteres Cover (The Who’s “Baba O’Riley”) und das finale “Yellow Ledbetter” zu kredenzen. Nach weit über 2 Stunden Spielzeit und total 30 Songs geht ein grosser Konzertabend dann doch zu Ende. Während des Auftritts wird mir irgendwann klar, dass ich genau halb so alt wie heute war, als ich Pearl Jam zum ersten Mal gesehen hab. Irgendwie krass. Damals hatten sie gerade ihr erstes Album “Ten” herausgebracht und spielten als recht unbekannte Combo auf dem “Ring” -an einem Freitag Abend. Dazu gab es Korea aus dem Kanister. Stilecht. Heute gibt es einen wohltemperierten Gin Tonic (Ihr wisst schon: Das Berliner Bier GEHT GAR NICHT..). Wie sich die Zeiten ändern…

Fortsetzung folgt…

 

Links:

Die komplette Playlist

Konzertkritik von INTRO