Published Oktober 22nd, 2010
B.R.D. Tag IX

Heute möchte ich auf einen Teil der gestern erwähnten Mitbewohner noch einmal näher eingehen. Es handelt sich dabei um die Spezies der Schleicher.
Da stehst Du nichtsahnend irgendwo im Haus. Studierst den Essens-Plan, leerst Dein Postfach, checkst Deine Mails oder was auch immer. Auf einmal ist er da. Wie aus dem nichts. Steht neben Dir und starrt Dich an. Mit ganz großen Augen. Du bist versucht, ihn mit einem energischen ‘BUH’ oder ‘KSCHT’ zu verscheuchen. Aber ehe Du noch Luft holen kannst, ist er auch schon wieder verschwunden. Genauso still und leise wie er aufgetaucht ist. Um die nächste Ecke geschlichen.
Oder beim Essen. Du sitzt alleine am Tisch und willst gerade mit Deinem Mahl beginnen. Auf einmal ist er da. Setzt sich Dir gegenüber (genau genommen meist schräg gegenüber) hin und starrt Dich wortlos an. Kein ‘Servus, ist da noch frei’ oder ‘Grüß Gott, darf ich mich dazusetzen’, nicht einmal ein ‘Mahlzeit’ entschlüpft seinem Kopf. Dann beginnt er zu essen. Mit leidendem Gesichtsausdruck. Während er fortwährend entweder Dich oder diesen fiktiven Punkt hinter Dir an der Wand fixiert.
Was soll man nun von so einem Wesen halten ? Was empfindet man ? Mitleid ? Unbehagen ? Unverständnis ? Eine gesunde Prise Angst ??
Fast unmöglich einen solchen immerfort umherschleichenden Kameraden vor die Linse zu bekommen (wenn man den Speisesaal mal als Tabu voraussetzt). Doch nach endlosen Versuchen ist es mir endlich geglückt. Ein Prachtexemplar – beim Davonschleichen.
Zugegeben, es gibt noch einen anderen Grund, warum ich ihn auf diese Weise fotografieren musste. Persönlichkeitsrechte und dieser ganze Unfug. Kennt man ja. Und irgendwie wollte ich ihn auch nicht fragen.
“Entschuldigung, darf ich Sie fotografieren ? Ich möchte einen Artikel über Sonderlinge schreiben und bräuchte Ihr Foto dazu…” Weiß nicht…
Wie auch immer: Schönes Wochenende auch !!







Alles ist bunt, laut & blinkt.


