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Published Januar 1st, 2014

Alben des Jahres 2013

Das war nun also 2013. Und was hat es uns musikalisch gebracht?! Eine recht schwierige Frage. Und noch dazu ist das eine sehr zwiespältige Angelegenheit.

Ich gehe jetzt mal von mir aus: Auf der einen Seite habe ich so viel neue und spannende Musik gehört wie selten zuvor. Auf der anderen Seite hat sich bei den Alben so viel Altbewährtes durchgesetzt wie selten zuvor. Letztlich ist dies hauptsächlich meinen veränderten Hör- (und auch Kauf-)gewohnheiten zuzuschreiben. War ich früher eher der typische Albumkäufer, so habe ich mich nun in zweierlei Hinsicht endgültig umgestellt. Der Anteil von digitalen Downloads hat die Käufe von CDs in die Bedeutungslosigkeit verbannt. Und dabei wiederum überwiegen die Einzelsongs eindeutig.

In die gleiche Kerbe schlägt genau genommen, dass Compilations für mich mittlerweile den höchsten Stellenwert seit den frühen 90ern haben. Damals etablierte sich eine Reihe namens „Crossing all Over“ . Dabei haben sich die neuen egoFM Alben eine besondere Erwähnung verdient.

2013 hat für mich weniger Revolutionäres hervorgebracht als Bestätigendes. Viele Alben von Lieblingskünstlern haben meine Erwartungen erfüllt – aber eben auch nicht übertroffen. Arcade Fire, die Arctic Monkeys, Bosse, Pearl Jam und Vampire Weekend haben ganz feine Sachen abgeliefert – ohne jedoch brutalst hervorzustechen. Die Queens of the Stone Age haben ein tolles Stück Longplayer abgeliefert. Tricky hat sich selbst wiederbelebt mit einem bemerkenswerten Album.

Everything Everything und Moderat sind nur ganz knapp an den Top 3 gescheitert.

Aufs Treppchen haben es zu guter Letzt 3 fast schon konservative Künstler geschafft. Aber das waren die Sachen, die man einfach am besten „durchhören“ konnte. Hier war nicht der einzelne Song bemerkenswert. Hier zählt noch das komplette Werk.

Das Album von Junip (mit dem unfassbaren „Line of Fire“) konnte von Anfang an überzeugen. Selig konnten mit ihrem neuesten Werk in einer Form überraschen, die man ihnen wohl kaum noch einmal zugetraut hätte. Und Placebo letztlich haben ein Quasi-Comeback-Album herausgehauen, das mit Songs wie „Too many Friends“ und „Bosco“ eine fette Marke setzen konnten.

Bemerkenswert ist übrigens auch, dass keines dieser 3 Alben auch nur ansatzweise in den Top 10 der gängigen Musikpresse-Jahrescharts auftauchen konnte. Allerdings waren sich die Herrschaften der schreibenden Zunft auch untereinander dermaßen uneinig, dass sich meine Bedenken ob dieser Entwicklung in Grenzen halten.

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Junip

Junip, das sind José González (Guitar & Vocals), Elias Araya (Drums) und Tobias Winterkorn (Keys). Die Band gründete sich bereits im Jahr 1998 in Göteborg, Schweden, veröffentlichte aber erst 2010 das gefeierte Debüt-Album Fields.

Junips selbstbetiteltes, zweites Studioalbum wurde über den Zeitraum von einem Jahr mit Unterstützung von Don Alsterberg (u.a. Sound-Guru bei Soundtrack Of Our Lives) im Proberaum der Band aufgenommen. Junip, das Album, besteht aus genau zehn Songs, an denen unerbittlich gefeilt und gearbeitet wurde. Es ist nahezu perfekt arrangiert und ausgewogen, es klingt homogen und ausgeklügelt, aber wirkt nie zu clean oder abgeklärt. Im Gegenteil, es rumpelt mächtig unter der Oberfläche und es knirscht und rauscht auch gewaltig, als ob die Songs uralte Artefakte wären, die eine Sound-Patina angesetzt haben.

Junip haben mit dem großartigen Albumopener “Line Of Fire” bereits ihren Beitrag zur Wahl des Songs 2013 abgegeben und können mit ihrer zweiten Single “Your Life Your Call” entspannt durch den kommenden Sommer soften – bewaffnet mit Disco Beat und synthetischen Handclaps, erschaffen sie tatsächlich so etwas wie einen Sommerhit für entrückte Melancholiker. (Quelle)

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Placebo

Sie sind die erfolgreichste englische Alternative-Rock-Band der letzten zwei Jahrzehnte. Mit dem neuen Album meldet sich das Trio aus London zurück: mit neuer Energie, neuer Hoffnung und dem abwechslungsreichsten Sound seiner Karriere. Produziert von Adam Noble (Coldplay, Paul McCartney) und aufgenommen in den Londoner RAK Studios über einen Zeitraum von fast einem Jahr, ist Loud Like Love ein eindrucksvolles Beispiel für das über Jahrzehnte geschulte Auge von Brian Molko und seinem Sidekick Stefan Olsdal (Bass) für das Wesentliche, für kompositorische Finesse und den Mut, trotz bewährtem Rezept neue Wege zu gehen. Placebo war und ist für Molko auch immer eine willkommene Gelegenheit, sich zur aktuellen sozialen oder politischen Situation zu äußern. (Quelle)

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Selig

Natürlich sind Zusammenhänge wichtig. Aber hier und jetzt wollen wir für einen Moment mal alles beiseite lassen und das neue Selig-Album betrachten, ohne an gestern, vorgestern oder morgen zu denken. Warum? Weil man noch nie in der Geschichte dieser Band so sehr das Gefühl hatte, dass es nur um den Moment ging. Magma ist ein derart jetztzeitiges, frisches und vitales Album geworden, dass man nicht einen Moment lang auf die Idee kommt, hier einer Band zu lauschen, die bereits auf eine derartige Karriere zurückblickt wie Selig. Einer Band, der nun ausgerechnet im 20. Jahr ihres Bestehens ein ebenso wütendes wie introspektives, bisweilen clever ironisches, dann wieder klug den Zeitgeist analysierendes Monster von einem Album gelingt.Schnell fand auch die 1. Single auf diesem besonderen Werk Platz. »Alles auf einmal« ist ein biografischer, intimer Song. Und ein weiterer Hit. Die Zeile »Bitte bitte bitte bitte bitte nicht alles auf einmal / Ich verliere meine Mitte und das hatten wir schon mal« verweist auf die Probleme, die der Sänger in den Neunzigern mit dem Ruhm hatte und macht deutlich, dass es nicht immer leicht fällt, mit den positiven Seiten des Applauses und dem Loch danach, umzugehen. »Ein Leben im Überflug, mit Leichtsinn und Selbstbetrug« – Plewka hat es erlebt.  (Quelle)

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Auf egoFM Vol.2 sind nicht nur einzigartige Entdeckungen aus dem egoFM-Musikprogramm zu hören, sondern auch wieder unveröffentlichte Songs, die der Sender durch direkte Künstlerkontakte gewinnen konnte:
So beispielsweise die Titel Tom Odell Another Love (Zwette Edit) oder Parov Stelar feat. Marvin Gaye Keep on Dancing (Makossa & Megablast Short Disco Version) .
Neben den exklusiven Remixen finden sich internationale Acts wie Franz Ferdinand, Phoenix, MGMT oder den Crystal Fighters auf der Doppel-CD.
Auch Nachwuchskünstler werden gefördert: Der jeweils vorletzte Track auf beiden CD`s ist den Lokalhelden gewidmet, die in der gleichnamigen Sendung von Moderator Dominik Kollmann entdeckt wurden. OK Kid und Claire sind zwei Newcomer, die es sich wirklich verdient haben , freut sich Musikchef Mathias Straub.
Im Juli 2013 gab es für die erste egoFM Compilation schon den Ehrenpreis “Beste Newcomerförderung National: Multimedia”, der in Würzburg verliehen wurde.
Der Genremix ist wie auch bei der ersten Compilation unverwechselbar und reicht von Independent Sounds über elektronische Musik bis hin zu Clubklassikern Besser Anders eben!(Quelle)

Konzertmässig gab es 2013 nicht gar so viel wie im Jahr zuvor. Ähnlich wie bei den Alben gab es viele gute Konzerte, die relativ hohe Erwartungen erfüllen konnten. Aber auch hier muss man sagen: Da haben sich ein paar Veteranen gegen das junge Volk durchsetzen können…

Herauszuheben einerseits sicherlich BRAD. Die erste Europa Tour von Stone Gossard (Pearl Jam) mit seiner Zweitband. Und gleichzeitig mein erstes Konzert im neuen STROM. Ein absolutes Highlight!

Grundsolide aber mehr als überzeugend waren auch die „großen Events“. Sowohl die Toten Hosen als auch die Queens of the Stone Age und ebenso Volbeat haben großartige Shows abgeliefert.

Ein wenig enttäuschend waren leider meine persönlichen Lieblinge von Glasvegas, die als Support von Hurts ein gelinde gesagt seltsames Konzert spielten – das kann im neuen Jahr nur besser werden…

Zum krönenden Abschluss gab‘s dann nochmal ein besonderes Ereignis. Nicht nur, dass ich doch noch reingekommen bin beim längst ausverkauften, großartigen Club Gig von Casper im Strom. Er tat mir sogar den Gefallen so früh anzufangen, dass ich gleich nach dem Konzert in die Muffathalle zu dem ebenso großartigen Thees Uhlmann fahren konnte, um wenigstens noch das letzte Drittel anzuschauen. Zwei solche Events an einem Abend: Das müsste verboten werden…

 

Die komplette Liste:

Brad/Strom

The Killers/Zenith

Emeli Sandé/Tonhalle

Kasabian/Backstage

Black Rebel Motorcycle Club/Tonhalle

…and You will know us…/Strom

Bosse/Muffathalle

Sportfreunde Stiller/Kesselhaus

Die Toten Hosen/Olyhalle

Hurts, Glasvegas/Zenith

Queens of the Stone Age/Zenith

White Lies/Theaterfabrik

Volbeat /Olyhalle

Casper/Strom

Thees Uhlmann/Muffathalle

 

Und dann gibt’s da noch dies für alle Spotify Anwender (ohne bestimmte Reihenfolge). Die Songs habe ich hierbei ein wenig ausgedehnt, weil es einfach sehr viele sehr gute Stücke gab (wie schon oben im Artikel beschrieben: 2013 war viel mehr ein Songjahr als ein Albumjahr)

effzetts 2013 top albums  &                     effzetts 2013 top 100 songs

Published März 27th, 2013

Marseille

“Marseille wendet Frankreich den Rücken zu und blickt aufs Meer…”

Tag 1:

 Aufgrund des Lufthansa Streiks erfolgt unser Abflug 8 Stunden später als geplant. Das ist ein wenig schade – aber es hätte schlimmer kommen können. Wenigstens werden wir vorher informiert und können von zu hause umbuchen.

 Dank Online Check-In, Gepäckaufgabeautomaten und Apples “Passport” läuft wenigstens beim Ersatzflug alles zügig und einwandfrei und an den Schlangen der anderen Umbucher vorbei.

 Angekommen in Marseille geht es mit dem Taxi ins Hotel auf dem Cours Belsunce (allein diese Strasse wäre einen ganzen Absatz wert mit ihrer Geschichte und ihren Eindrücken) um dort unsere Zimmer (ist das nun ein Penthouse oder ein ausgebauter Speicher ?!) zu beziehen. Wir brechen auf, eine erste Runde zum Hafen in Angriff zu nehmen (schliesslich ist der gleich ums Eck…) und ordnungsgemaess einen Begruessungs-Sundowner in Form eines klassischen Pastis vor Hafenkulisse im “Cafe des Arts” zu nehmen.

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 Zum Abendessen möchten wir zu “MICHEL“  , wo wir nach einem kleinen Fussmarsch den letzten Tisch ergattern. Schwein gehabt! Und nun beginnt ein kulinarisches Highlight der Extraklasse:

Erst werden die frischen Fische präsentiert (Petersfisch, Knurrhahn, Rotbarbe, Wolfsbarsch – der eine zuckt noch!).

Dann wird das geröstete Brot mit Rouille und Aioli gebracht.

Als nächstes wird die Suppe serviert.

Dazu kommt der Fisch, der in der Suppe gegart und nun am Tisch filetiert wird.

Ausserdem Kartoffeln (ebenso in der Suppe gegart).

Man hat einen Teller mit Suppe, und einen Teller mit Kartoffeln und Fisch.

Das  geröstete Brot wird mit der Rouille bestrichen und in die Suppe getaucht

Den Fisch geniesst man mit einem Hauch Aioli.

Und so löffelt man von rechts und löffelt von links und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus.

Nach einer unfassbaren Menge Fisch und 3 Tellern Suppe ist es geschafft.

Und wir sind so satt, dass selbst der geliebte Gateau ausfällt… Zurück gibt es einen feinen Spaziergang am Meer entlang und durch das nächtliche Marseille, ehe es ab ins Penthouse zur Nachtruhe geht.

  

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Tag 2:

 Nach einem Cafe Au Lait mit dazugehörigem Croissant heisst es “Aufbruch zum legendären Fischmarkt”. Und der wird seinem Ruf gerecht. Grossartig. Irgendwie familiär. Extrem sympathisch. Faszinierend. Lustig. Fast provinziell. Man hat überhaupt nicht das Gefühl, in der zweitgrössten Stadt Frankreichs zu sein, sondern fühlt sich wie in einem kleinen Fischerdorf.

Weiter geht’s ins berühmt- berüchtigte Panier-Viertel (quasi die Altstadt). Enge Gassen und entsprechende Häuser, bis vor einiger Zeit noch kaum ohne Personenschutz zu bestaunen, sind nun alle (etwas zu) schön hergerichtet und erstrahlen im “Kulturhauptstadtglanz”. Wie stand in einem Artikel so schön geschrieben:

“La Ville Rebelle” – die aufsässige Stadt – wird hübsch und sauber gemacht.

Ohne die Historie wäre das prima anzusehen – so aber bleibt ein zwiespältiges Gefühl: So schön das alles ausschaut – wohin man wohl all’ die umgesiedelt hat, die sich die neue Schönheit nicht mehr leisten können…?!

Allerdings sollte man sich als Deutscher mit seiner Meinung diesbezüglich ein wenig zurückhalten. Waren doch unsere Vorfahren an der letzten – ähm – “Umsiedlung” nicht ganz unbeteiligt…

 Was nun folgt ist eine kleine Stärkung. Oder auch Schwächung. Ansichtssache. Auf jeden Fall folgt eine kleine Degustation im “Maison Du Pastis” . Pflichtprogramm.

95 Sorten Pastis und Absinth. Einige davon auch aus eigener Herstellung. Feines Zeug. Leider kann ich nicht ALLE probieren…

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 Zurück geht’s zur Canabiere, über den Cours Belsunce, zwischen afrikanischen Märkten mit bunten Farben und exotischen Früchten hindurch weiter zum Cours Julien; dem Kreuzberg von Marseille. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Alles ist im Umbruch. Auf der einen Seite Häuser mit wildem und faszinierendem Graffiti. Eine Strasse weiter alles frisch renoviert und vielleicht einen Hauch zu sorgfältig gekehrt. Dazwischen wunderbare Cafes, Restaurants, Brasserien…

 Es folgt der längste Fussmarsch der Reise: Vom Cours Julien zur Notre Dame De La Garde. Ob man nun ein grosser Freund von Kirchen ist oder nicht: Ein Besuch in Marseille ohne auf den Berg zu klettern – und sei es auch nur der Aussicht wegen – ist wohl undenkbar. Wie an solchen Orten üblich, ist man natürlich nicht alleine auf diese Idee gekommen. Zum Glück ist noch März – das Wetter nur “so mittel” und daher hält sich der Andrang noch einigermassen in Grenzen.

 Auf dem Rückweg zum Hotel liegt  – was ein Zufall – das Cafe des Arts. Warum nicht einen kleinen Sundowner nehmen. Schliesslich ist Marseille berühmt für seinen Pastis…

 Über das Couscous Erlebnis am späteren Abend hüllen wir die Kameldecke des Schweigens…

 

Tag 3:

 Der Tag beginnt ein wenig verregnet. Nach einem ausgiebigen Frühstück, einem kurzen Besuch auf dem Fischmarkt (er ist halt gar so schön und liegt auf dem Weg) verlegen wir unsere Aktivitäten erstmal auf Innenräume diverser Art. Nicht zuletzt ein ausgiebiger (und erfolgreicher) Besuch bei Maison Empereur lässt den Freund von Kochutensilien und Messern aller Art deutlich höher schlagen!!

Nach ausgiebigem Gebummel ist es irgendwann Zeit für einen kleinen Imbiss. Da das Wetter sich ein wenig bessert und es am Cours Julien gar so schön war, fällt die Wahl leicht. Schon bald sitzen wir, ganz nach französischer Lebensart, bei einem wunderbaren, kleinen Lunch und einer wunderbaren Flasche Cote de Provence in der Sonne. Das mit dieser französischen Lebensart hat schon durchaus seine Vorzüge… Und weil der Wirt so nett fragt, trinken wir auch so ein grünnes Zeug mit ihm. Auf Vincent!

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Nach dieser extrem gemütlichen Pause machen wir uns auf die Suche nach dem “83er”. Mit dieser Buslinie wollen wir ein wenig aus der Stadt und ans Meer fahren, um wenigstens einen kleinen Einblick in die Küstenlandschaft zu bekommen.

Nach dieser Exkursion dürfen wir mit Genugtuung feststellen, dass der “83er” uns den Gefallen tut, doch tatsächlich auf dem Rückweg am “Cafe des Arts” vorbeizukommen. Zufälle gibt’s im Leben. Wir nutzen diesen geradezu schicksalhaften Umstand und steigen kurz zu einem kleinen Sundowner aus. Schliesslich ist Marseille die Stadt des Pastis, und mit Blick auf den Alten Hafen schmeckt der sogar noch besser.

 

Tag 4:

 Am Abreisetag erleben wir den wettermässigen Tiefpunkt. So bleibt nichts anderes zu tun, als extrem ausgiebig zu frühstücken, und den Trip, zum Überbrücken der Zeit bis zum Rückflug, noch ein wenig Revue passieren zu lassen. Was hat man nun von der Stadt zu halten?!  Wieviel Marseille kann man in so kurzer Zeit aufnehmen?! Was bekommt man überhaupt mit – und was bekommt man besser nicht mit?! Was überwiegt?! Die unvergessliche Bouillabaisse oder die Betonklötze in der nördlichen Vorstadt. Da wo die Arbeitslosenquote knapp 30% beträgt und die Rauschgiftmafia der grösste Arbeitgeber ist. (FAZ: Stadt des Verbrechens)

In Marseille bekommen uns allgegenwärtige Begriffe wie “Schmelztiegel der Kulturen”, “Multi-Kulti” oder auch “Gentrifizierung” eine völlig andere Dimension als bei uns. Marseille ist eine Stadt der Gegensätze. Aber das macht es natürlich auch faszinierend. Es dürfte spannend sein, die weitere Entwicklung zu beobachten – und das sicherlich auch mal wieder vor Ort.

 In diesem Sinne: Au Revoir!

http://goo.gl/maps/p3grW

Published Januar 1st, 2013

Alben des Jahres 2012

Besser spät als nie. So könnte man wohl meinen. Nachdem die meisten Jahresrückblicke ja mittlerweile schon im Herbst erscheinen (was bei den Printmedien im Zweifelsfall dennoch die Januar Ausgabe bedeutet), habe ich mich heuer für ein anderes Vorgehen entschieden, und das Jahr erst einmal zu Ende gehen lassen.

Das hat verschiedene Vorteile. Es kommt doch hier und da zum Jahresende noch ein Schmankerl nach. Was macht man damit, wenn der Text schon geschrieben und online ist?! Ergänzen? Blöd! Im nächsten Jahr berücksichtigen? Noch blöder! Weglassen? Am allerblödesten.

Meine Taktik hat sich zwar in keinster Weise auf den Jahressieger ausgewirkt (Django Django standen da schon lange fest), aber zum Beispiel Alt-J habe ich erst spät im Jahr entdeckt.

Interessant fand ich heuer auch die Bestenlisten der schreibenden Zunft. So unterschiedlich wie 2012 sind die meiner Meinung nach selten ausgefallen. Bis auf ein paar Gemeinsamkeiten (Frank Ocean war bei den meisten in den Top Ten) konnte man sich da nicht so recht auf die besten Alben einigen.

So wie im Vorjahr bei Adele so kam man in diesem Jahr wohl an Lana del Rey nicht vorbei. Mumford & Sons sowie Of Monsters And Men machten den Neo Folk mit feinen Alben endgültig salonfähig – auch das musste man berücksichtigen. Ansonsten gab es aber mit Alt-J, Sizarr, Tame Impala etc. eher Highlights jenseits des Mainstream.

Das Comeback des Jahres legten in meinen Augen Soundgarden hin. Ein schönes Stück Musik haben die Alt-Grounger da produziert – auch wenn sie sich danach mit ihrer erlesenen AMEX Club-Gig-Story ein wenig unbeliebt gemacht haben….

Django Django

Endlich, ein Jahrtausendwende-Revival! Die Popavantgardisten Django Django kommen aus betuchten Londoner Vororten und studieren in den vornehmen Vierteln Edinburghs. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum dürfte eine Menge Leute an die Hochzeit von Gruppen wie The Beta Band und Badly Drawn Boy erinnern. (Foto: David Drake) Wie alle guten britischen Bands lernten sich die vier Musiker 2008 an der Kunsthochschule Edinburgh kennen. Um dem langweiligen Luxusalltag zu entkommen, schlossen sie sich regelmäßig im Elternschlafzimmer von Bandleader David Maclean ein und machten Musik. Schon bald wurde klar, dass man nicht versuchen würde, den klassischen Britrock-Acts um Arctic Monkeys und Konsortien nachzueifern. England burnte ohnehin nicht mehr. Und die Jamsessions dauerten oft bis tief in die Nacht, gebaren dabei experimentelle, treibende Songs, von denen bereits 2009 zwei Stück auf die vielversprechende Doppel-A-Single “Storm/ Love’s Dart” geprägt wurden. Nun sollte die erste LP her. Mit dem abgeschlossenen Studium und ohnehin durch Eltern großzügig betreute Kontoauszüge im Rücken, durfte man die Sache locker angehen lassen. Die romantische Vorstellung vom verarmten Avantgardemusiker, der sich mit E-Gitarre, Phaser und Pedal in experimentelle Welten flüchtet, ist hier also fehl am Platz. Aber warum sollte diese Gelassenheit keine gute Musik gebären? (Quelle)

Alt-J

Der ungewöhnliche Bandname alt-J resultiert aus der Tastenkombination für das Delta-Symbol – vorausgesetzt man verwendet einem Mac mit UK-Tastaturbelegung … So ungewöhnlich wie der Name ist auch die Musik dieser außergewöhnlichen Band aus Leeds. Auch wenn sich Referenzen zu den Wild Beasts, Radiohead (zur “In Rainbows” Zeit) oder The XX anbieten, lassen sich alt-J grundsätzlich mit keiner dieser Bands in eine Schublade stecken. Und Umschreibungen wie “Folk-Step” oder “Nick Drake trifft Gangsta Rap” beschreiben nur im Ansatz den innovativen Sound dieser Band. Alt-J erforschen auf ihrem brillanten Debüt verschiedenste Klangwelten zwischen Folk, Hip Hop, Indie und Pop-Musik und klingen dabei erfrischend anders und zeitgemäßer als das meiste, was sich sonst so aktuell auf dem Musikmarkt tummelt. Jede Wette, dass alt-J zu den Newcomern des Jahres zählen werden. (Quelle)

Sizarr

Man sollte es sich mit dieser Band nie zu einfach machen. Man sollte nicht der Versuchung erlegen, Sizarrs biografischem Buzz mehr Aufmerksamkeit zu schenken als nach ihrem nun vorliegenden, phänomenalen Debüt überhaupt noch übrig sein kann. Klar, als das 2009 losging mit Sizarr, da waren Fabian (voc), Philipp (synths, voc) und Marc (drums, percussion) für die Reife der bald von ihnen zu erwartenden Musik erstaunlich jung. Und natürlich, wenn man sich diese Musik in einem Städtchen wie Landau ausdenkt, dann passiert das auf einem unverkennbaren Nebenschauplatz hiesiger Popkultur. (Quelle)

Soundgarden

Sie prägten eine ganze Generation von Fans, gewannen 2 Grammys, waren für insgesamt 7 nominiert und zählen mit 21 Millionen verkauften Alben zu den prägendsten Rockbands der Geschichte. Soundgarden haben Maßstäbe gesetzt und Musikgeschichte geschrieben als eine jener Bands aus Seattle, die mit ihrem Sound das Publikum rund um den Globus begeistern. Jetzt bricht eine neue Ära an, denn Soundgarden legen am 09. November, nach über 15 Jahren, ihr neues Studioalbum “King Animal” vor.

Das Songwriting und die Aufnahmen zu “King Animal” waren durch und durch eine Gemeinschaftsarbeit: Das Album ist explosiv und voller Facetten – von der ersten Single “Been Away Too Long” an, über das vor Energie berstende “Blood On The Valley Floor”, das düstere “Worse Dreams” oder das wehmütige “Halfway There” bis hin zu ganz anderen Sound-Landschaften u.a. mit starken Jazz-Einflüssen wie bei “Black Saturday”. Die Lyrics sind gewohnt scharfkantig, beleuchten zwischenmenschliche Beziehungen ebenso wie politische Verflechtungen oder auch die Ängste und die Verwundbarkeit des Elternseins. Soundgarden bleiben auch bei ihrem sechsten Studioalbum ihren Alternative Rock-Wurzeln treu und legen mit “King Animal” das nächste Kapitel ihrer Bandgeschichte vor.(Quelle)

Konzertmässig gab es sehr viele Highlights. Interessant war auch, dass ich 2012 bei 21 Konzerten an 12 verschiedenen Locations war. Das Verhältnis erscheint mir erstaunlich, da man sich sonst doch meist eher an den üblichen, verdächtigen Orten herumtreibt…

Herausheben muss man dieses Jahr auf jeden Fall das 59:1. Nicht nur weil es das letzte Jahr dieser wunderbaren Location war (das 59:1 schliesst im Januar 2013 seine Pforten), sondern auch weil mit LA DISPUTE und den RIVAL SONS gleich 2 herausragende Events hier stattfanden.

Auch das Backstage hat mit 2 prima Musikerlebnissen (Of Monsters And Men sowie Madsen) eine Erwähnung verdient.

Der Sieg geht allerdings – ähnlich wie bei den Longplayern – ins Atomic zu Django Django.

Auch dieses Jahr gab es wieder einen Event außer Konkurrenz: Das Auswärtspspiel in Berlin bei Pearl Jam.

 

Die komplette Liste:

La Dispute (59:1)

French Films (Atomic)

Clap Your Hands (Ampere)

Boy (Kongresshalle)

Snow Patrol (Zenith)

Black Stone Cherry (Backstage)

Noel Gallagher   (Tonhalle)

The Jezabels (Hansa 39)

The Undertones (Atomic)

Rock im Park    – Zepellinfeld

(Soundgarden, Hosen, Metallica, Mastodon, Rival Sons)

Pearl Jam (o2 World Berlin)

OMAM  (Backstage)

Pretty Things (Ampere)

Madsen (Backstage)

Absynthe Minded (Atomic)

Rival Sons (59:1)

Herbert Groenemeyer (Circus Krone)

Selig (Ampere)

Florence & The Machine (Zenith)

Django Django (Atomic)

Toten Hosen (Olyhalle)

 

Und dann gibts da noch diese Neuerung für alle Spotify Anwender: 

effzetts 2012 top albums  &                    effzetts 2012 top 50 songs

Published Juli 12th, 2012

Berlin (Part II: Kreuzberg)

Freitag lassen wir es sehr entspannt angehen. Wir fahren mit der Bahn zum “Kotti” und lassen uns erstmal gemütlich in einem der wundervollen Cafes am Maybachufer nieder. Dann wagen wir den Weg über die Brücke des Landwehrkanals und haben ein etwas mulmiges Gefühl: Wir wollen zum Türkenmarkt, den wir von unserem letzten Besuch vor einigen Jahren in bester Erinnerung haben.

Nun hat sich in Kreuzberg und Neukölln vieles verändert, und wir sind ein wenig skeptisch, ob der Markt nicht viel von seinem Charme verloren hat. Doch unsere Sorgen sind unbegründet. Alles ist noch fast so wie in unserer Erinnerung: Tolle Stände, Riesenauswahl, faire Preise, nette Menschen, feine Atmosphäre, kulinarische Köstlichkeiten. Nach türkischen Hefekringeln zum Frühstück gibt es frische, gebackene Kochbananen mit scharfer Ingwersauce aus Ghana.

Wir landen an dem Gewürzstand von Herrn Charaf aus Indien. Was soll ich sagen: Hier sollte “Schuhbecks ihr Fonsi” mal in die Lehre gehen. Die meisten Gewürze sind leider, bis sie in unseren Breiten landen, nicht mehr wirklich aromatisch. Nicht so bei Herrn Charaf. Uns bietet sich ein nie erlebtes Feuerwerk an Aromen. Wir erstehen eine ca. 60cm lange Zimtstange aus Vietnam, deren Intensität uns aus den Schlappen haut, und sonst noch “ein paar Kleinigkeiten”…

Unser Weg führt uns weiter nach Neukölln (bislangwaren wir in  Kreuzkölln, wie man mittlerweile das Grenzgebiet der beiden Stadtteile um den Reuterkiez bezeichnet). Es ist verwirrend. Ist man gerade noch in “Klein-Istanbul” so findet man nur eine Ecke weiter eine Seitenstrasse wie am Glockenbach. Mit (etwas zu) netten Cafes und (etwas zu) trendigen Kneipen und (etwas zu) coolen Leuten. Um die nächste Ecke steht man dann wieder vor Wettbüros, Dönerläden und kleinen, düsteren Teestuben mit ausnahmslos männlicher Kundschaft. Was soll man davon halten? Ist das nun der besondere Charme des Viertels? Oder ist das vielmehr auch nur Indiz der Gentrifizierung? Die Süddeutsche Zeitung hat vor kurzer Zeit einen wunderschönen und sehr traurigen Artikel dazu veröffentlicht: “Liebling Kreuzberg: („Klein Istanbul“ nennen die Türken ihren Kiez in Berlin. Aber ist er noch ihr Kiez? Viele müssen wegziehen, weil ihre Heimat den Reicheren lieb und teuer geworden ist…..)”. Leider ist der Artikel online nicht mehr aufrufbar. Hier wird das ganze Dilemma eines sterbenden Stadtteils sehr anschaulich dargestellt.

Nach einer ausgedehnten Runde landen wir wieder am “Kotti” und haben uns einen weiteren kulinarischen Hochgenuss verdient. Denn hier gibt es  – und da lege ich mich fest – den BESTEN DÖNER DER WELT. Tadim ist eine Institution. Und wird es auch hoffentlich noch lange bleiben. Wer hier einmal das frisch gesäbelte Fleisch in Kombination mit fein angemachten und abgeschmeckten Salaten in frisch gebackenen Fladen geniessen durfte, der steht den meisten Mitbewerbern fortan eher skeptisch gegenüber. Dazu gibt’s ordnungsgemäss wohltemperiertes Ayran und ein Plätzchen an der Sonne.

Wir beenden unseren Kreuzberg Ausflug und kehren zurück nach Charlottenburg. Hier lassen wir den Tag ausklingen wie wir ihn begonnen haben: Entspannt. Dabei gibt es viel Gesprächsstoff dank der vielen Eindrücke.

Mir blühen lediglich noch 2 Überraschungen: Zuerst bin ich gelinde gesagt etwas schockiert, als mir erst auf der Kantstrasse ein Wolpertinger (!) begegnet. Und dann sitzen wir beim Thai ums Eck (womit wir wieder bei meiner Theorie wären: Es gibt in Berlin einfach die deutlich besseren Asiatischen Restaurants zu deutlich faireren Preisen…) und ich plötzlich meinen Augen nicht traue, als passend zu meinem Phad Thai ein TukTuk ums Eck biegt… Leider habe ich davon kein Bild – aber es war da- ganz ehrlich – und ich habe Zeugen!

Der Samstag verläuft ohne nennenswerte Vorkommnisse. Unser traditioneller Besuch beim Inder ist ein klein wenig enttäuschend: Sorry Spice India, aber da hattest Du beim letzten Mal mehr drauf… Dann werden unsere Aktivitäten durch einen heftigen – und etwas längeren -Platzregen etwas eingeschränkt. Aber das ist gar nicht weiter schlimm. Berlin hat sich wieder einmal gelohnt. Und bestimmt finden wir auch nächstes Jahr wieder einen Grund für einen Besuch.

Published Juli 11th, 2012

Berlin (Part I: Pearl Jam)

Es geht Schlag auf Schlag. Gerade vom grandiosen Offroad Wochenende erholt, steht das nächste Highlight an. Nachdem sich Schalke leider nicht fürs Pokalfinale empfehlen konnte (statt dessen durfte ja heuer der Faschingsclub aus dem Nachbarort in seinen albernen Bienenkostümen auftreten) und auch U2 sich gerade nicht auf Tournee befinden, liefern uns PEARL JAM einen willkommenen Grund für den diesjährigen Trip in die Hauptstadt. Bei Kaiserwetter darf der Wrangler “oben ohne” auf die Strasse und nach einem kurzen Zwischenstopp in Ingolstadt (jaja…) kommen wir ohne grössere Zwischenfälle in unserem Hotel in Charlottenburg an.

Nach der langen Fahrt haben wir uns einen kleinen Snack bei Mr. Hai & Friends verdient – und dazu gibt’s ein wohlschmeckendes Tiger. Jeder, der einmal in den zweifelhaften Genuss von Schultheiss und/oder Berliner Pils gekommen ist, weiss ein solches Erzeugnis fernöstlicher Braukunst sehr zu schätzen.

 Am darauffolgenden Morgen machen wir die erste wunderbare Entdeckung gleich ums Eck: Der Kuchenladen –zaubert nicht nur grandiose Kuchenkreationen aus dem Ofen (die Tiroler Apfeltarte ist eine Legende), sondern bereitet dazu noch einen fantastischen Kaffee zu.

Gestärkt und wohlgelaunt treiben wir uns ein wenig in “Mitte” herum, bummeln durch lustige Läden (viele davon provisorisch und nur wegen der Fashion Week) und freuen uns auf den Mittagstisch im Thai Inside. Nein, wir sind nicht nur zum Essen in Berlin, aber ein paar Anlaufstationen haben sich einfach brutal bewährt. Ausserdem hat Berlin einfach einen grossen Vorteil gegenüber München: Es ist eine ECHTE Großstadt mit einer ECHTEN asiatischen Community. Da muss man wohl als Betreiber eines Thai-, Vietnam, China- oder Indischen Restaurants schon anders an die Sache herangehen, als wenn man – wie in München – letztlich nur für den bajuvarischen Gaumen kocht.

 Es wird Zeit, nach einem kurzen Abstecher im Hotel, die Reise zur Konzertlocation anzutreten: Der O2 World. Charlottenburg hat sich auch deshalb sehr bewährt, weil die Anbindung ziemlich optimal ist. So besteigen wir die S-Bahn und können durchfahren bis zum Ostbahnhof. Unterwegs haben wir – wie meist in der Hauptstadt – eine mehr oder weniger gelungene musikalische Untermalung der Fahrt. Diesmal haben wir Glück: Der junge Punk in unserem Abteil kann tatsächlich ein paar Akkorde auf der Gitarre spielen ohne sie kaputt zu machen. Dazu singt er ein lustiges Lied von arbeitsscheuen Menschen. Die letzte Textzeile lautet “Ich mach’ nicht mit in Eurem Karnevalsverein…”. Grenzwertig. Aber wenigstens ehrlich…

 

Angekommen bei der O2 World bietet sich uns ein zwiespältiger Eindruck: Einerseits ist das ein beeindruckender Bau mit einer grandiosen Verkehrsanbindung (über Ostbahnhof und Warschauer Strasse werden sämtliche Optionen des Öffentlichen Nahverkehrs ausgenutzt, dazu kommt sogar der Wasserweg über die Spree). Es gibt trotz Ausweiskontrolle (personalisierte Tickets) kaum Wartezeiten. Auch die Getränkeversorgung scheint gut organisiert zu sein.

Hier kommen wir aber auch schon zum ersten Kritikpunkt: Die Qualität lässt sehr zu wünschen übrig. Das haben nicht nur wir erkannt, sondern auch die Fans der hier ansässigen Eisbären Berlin, was vor einiger Zeit sogar zu Demonstrationen führte. Überhaupt gibt es, wie bei solchen Grossprojekten üblich, genug Anlass zur Kritik: Abgesehen von der Gentrifizierung der umliegenden Kieze und anscheinend prekären Arbeitsbedingungen wurde auch ein Teil der denkmalgeschützen Hinterlandmauer East Side Gallery abgerissen. Nicht umsonst haben die Berliner dem Klotz sehr bald den Spitznamen “Kotzbrocken” verpasst.

  

Doch nun zum eigentlichen Grund unseres Besuchs: Bereits zum letzten Stück des Supports “X” lässt es sich Mr. Eddie Vedder nicht nehmen, die Herrschaften gesanglich zu unterstützen. Gegen 21.00 Uhr ist es dann soweit: Die Herren Vedder, Ament, Gossard, McCready, Cameron und Gaspar betreten zu den Klängen von Philip Glass’ “Metamorphosis” die Bühne und zeigen mit ihrem Opener “Oceans” vom legendären TEN Album gleich mal, wo der Bartel den Most holt (wie man in Seattle zu sagen pflegt). Ein Konzert mit einem Song zu beginnen, den man seit 1996 gar nicht mehr in Europa gespielt hat, zeugt doch von einer gewissen Flexibilität. Bereits der dritte Song ist dann “Animal” und macht einem klar, was diese Band für ein Repertoire im Gepäck hat. Eddie ist redselig und gut gelaunt, erzählt von seinem ausgiebigen Besuch im Ramones Museum und stellt fest, dass wir uns auf dem 999. Pearl Jam Konzert befinden…  Matt Cameron merkt man seine Doppelbelastung keineswegs an (er spielt nebenher in einer Nachwuchscombo namens SOUNDGARDEN) und Mike McCready spielt feine Soli – gerne auch mal überkopf. Die Akkustik im “Kotzbrocken” ist gar nicht so schlecht wie befürchtet, und selbst die meist leeren VIP-Lounges können der feinen Stimmung nichts anhaben. ”Go” beendet den ersten Teil des Konzerts, der mit einer Coverversion von Pink Floyds “Mother” seine Fortsetzung in der ersten Zugabe findet. Nach einem ruhigen Teil (Just Breathe, Nothingman, Better Man…) verabschiedet sich die Band erneut um mit “Blood” ein weiteres Frühwerk (in diesem Fall von Vs.) zum Besten zu geben. “Alive” beendet das Konzert vermeintlich. Doch auch wenn die Hallenbeleuchtung schon angeht, so lassen sich die Herrschaften davon nicht abhalten auch noch ein weiteres Cover (The Who’s “Baba O’Riley”) und das finale “Yellow Ledbetter” zu kredenzen. Nach weit über 2 Stunden Spielzeit und total 30 Songs geht ein grosser Konzertabend dann doch zu Ende. Während des Auftritts wird mir irgendwann klar, dass ich genau halb so alt wie heute war, als ich Pearl Jam zum ersten Mal gesehen hab. Irgendwie krass. Damals hatten sie gerade ihr erstes Album “Ten” herausgebracht und spielten als recht unbekannte Combo auf dem “Ring” -an einem Freitag Abend. Dazu gab es Korea aus dem Kanister. Stilecht. Heute gibt es einen wohltemperierten Gin Tonic (Ihr wisst schon: Das Berliner Bier GEHT GAR NICHT..). Wie sich die Zeiten ändern…

Fortsetzung folgt…

 

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Die komplette Playlist

Konzertkritik von INTRO