Archive for November, 2013


Published November 25th, 2013

Brooklyn Diaries Pt. VI

Tag 7:

Nach einer kurzen Berichtspause wird es höchste Zeit für die Fortsetzung.

Der 7. Tag beginnt mit einem kleinen Blackbush-Shooting, ehe wir auf dem Weg zum Highline Park zufällig an Chelsea Market vorbeikommen. In einer alten Markthalle tummeln sich trendige Läden und ausgefallene Möglichkeiten zur extrem leckeren Nahrungsaufnahme. OK, für unseren Frühstücks-Bagel zahlen wir hier schlappe 1,50 $ MEHR als in Brooklyn, aber im Grunde genommen ist Chelsea Market genau das, was die Schrannenhalle in München gerne wäre: Eine Ansammlung cooler Shops mit offensichtlich viel Umsatz…

chelseamarket

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Highline Park scheint gerade so ein wenig das „Must See“ in New York zu sein. Aber es hat natürlich schon was, auf ausgedienten Hochschienen in einem angelegten Park zu flanieren. Faszinierend auch der Gedanke an den Immobilienmarkt in diesem Sektor: vor einigen Jahren wollte hier kein Mensch wohnen, weil die Bahn quasi durch die Küche fuhr. Und jetzt…..

highline

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Interessant auch die Details, die einem aus der erhöhten Position ins Auge fallen. So entdecken wir beispielsweise eine Galerie mit den grandiosen Muhammed Ali Fotos von Thomas Hoepker, die wir uns im Anschluss in aller Ruhe zu Gemüte führen. Allein dafür hat sich der Ausflug auf die Gleise schon gelohnt.

highlineview

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Danach bietet sich uns eine Show der ganz anderen Art, als wir an der 9th Ave. im Herzen des Meatpacking Districts in der Sonne sitzen und Kaffee trinken. Direkt gegenüber ist nämlich das Bagatelle – offensichtlich ein sehr angesagter Spot für den berüchtigten „Sunday Brunch“. Wummernde Bässe, haufenweise Stretch-Limos im Halteverbot, Türsteher direkt aus der Wrestling Foundation…und das alles am frühen (!!) Sonntagnachmittag. Wenig später scheint der Spuk sich dann auch schon seinem Ende zu neigen, denn die Holzläden werden geöffnet. Und neben dem typischen Clubdunst aus Alkohol und Schweiß strömen auch noch Heerschaaren von torkelnden (abgefüllten?!) Damen aus der Location. Großes Kino!

Die nächste Station ist eine weitere Institution: Grimaldi’s.

Unweit der Brooklyn Bridge befindet sich nämlich eine der berühmtesten Pizzerien der Welt. Frank Sinatra war hier Stammgast, und hat sich der Legende nach seine “Grimaldi’s Pizza” sogar nach Las Vegas liefern lassen… Nun schmücken sich ja viele Lokale in der Stadt mit Fotos von Stars und Sternchen vergangener und längst vergangener Zeiten, aber diesem Laden kauft man seine Vergangenheit irgendwie ab. Nach 25 Minuten anstehen bekommen wir einen Tisch und fühlen uns längst nicht so gefangen in der Touri-Falle wie befürchtet. Irgendwie ist der Laden nett. An klassischen, kleinen Tischen mit karierten Tischdecken wird eine feine Pizza serviert. Dazu erklingt eine Art „Dirty-Dancing-Soundtrack“ und das Rat-Pack schaut einem beim Essen zu. Leider gibt es kein Bier zur Pizza. Auch wenn die Zeiten der Prohibition doch eigentlich vergangen schienen, so haben sich hier doch anscheinend ein paar „Lizenzprobleme“ eingeschlichen… Zu Sinatras Zeiten wäre das sicherlich nicht passiert…

vunnmirusskitschii

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Nach dem Essen machen wir einen Abstecher zum Brooklyn Bridge Park. Von hier aus wurden in den 70ern die Bilder für jede zweite Fototapete in deutschen Wohnzimmern geschossen. Gefühlt. Aber das kann ja nix nützen. Und wenn man so dasteht, dann weiß man auch warum…

vunnmirusskitsch

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Published November 16th, 2013

Brooklyn Diaries Pt. V

Tag 6 beginnt mit einer kleinen Wetter-Lotterie. Es ist ziemlich bewölkt und die Temperaturen sinken langsam aber stetig. Aus diesen Gründen zocken wir darauf, dass es bestimmt später noch “brutal aufreisst” und nehmen einen ausgiebigen Abstecher zum Central Park in Angriff.

Vorher stärken wir uns in einem Deli auf der Myrtle Ave.. Betrieben wird der Laden von 2 Jungs südamerikanischer Herkunft, die in etwa soviel englisch sprechen wie wir spanisch. Wir verständigen uns mit Händen und Füssen, bekommen ein grossartiges Frühstück und ein herzliches “Aaaaaaaaah, Alleman, Bayern Munchen…” mit auf den Weg. Ich starte einen kurzen Versuch, ihn über die ruhmreiche Vergangenheit des FC Schalke aufzuklären, aber aufgrund der Sprachproblematik ist der Erfolg nicht ganz wie gewünscht…

centralpark

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Der Central Park ist mit seinen 341 Hektar zwar kleiner als der Englische Garten (375) aber immerhin noch grösser als das Fürstentum Monaco. Außerdem schlägt er im Stadtpark-Quartett sein Münchner Pendant mit der Länge der Wege (93 km zu 78 km) und trumpft mit seinen Vogelarten (250 zu 50) fett auf. Abgesehen von den nackten Fakten ist der Central Park ein erstaunliches Gesamtkunstwerk. Der ursprüngliche Plan, dass sich hinter JEDER Wegbiegung ein neues und überraschendes Natur-Tableau auftun sollte, wurde nach 15 Jahren Bauzeit tatsächlich verwirklicht. Und bis heute gibt es nur eine einzige gerade Wegstrecke im Park: Die Mall.

Faszinierend ist auch der Zoo. Sehr liebevoll und geradezu detailverliebt werden hier nicht nur teilweise extrem seltene Tiere (Red Panda,…) in einer angemessenen Umgebung gezeigt. Mit vielen witzigen Schildern, gegossenen Spuren und Futterresten wird ausserdem nicht nur Kindern  sehr viel interessantes Wissen vermittelt. Einzig Gus treffen wir nicht mehr an. Wovon eine Unmenge an Briefen und Karten von trauernden kleinen und grossen Besuchern zeugt.

gus

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Wir streifen weiter durch den Park: Vorbei an unzähligen Brautpaaren beim Fotoshooting und noch mehr coolen Jungs, die auf die eine oder andere Art versuchen einen schnellen Dollar zu machen. Neben “Shakespear on Request” gibt es viele abgefahrene Akrobaten, die teils alleine und teils in der Gruppe sehr, sehr coole Shows abziehen. Wir laufen durch die “Strawberry Fields”, zum Belvedere Castle, Turtle Pond und über riesige Sportflächen. Überall bieten sich faszinierende Blicke, nicht nur auf die Parklandschaft, sondern auch auf die umliegenden Häuser (z.B. die Zwillingstürme San Remo).

centralcouple

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Die Zeit vergeht und irgendwann wird es frisch. Außerdem stellt sich ein leichtes Hungergefühl ein, das wir mit einem feinen Burger zu bekämpfen gedenken. Ziel ist Shake Shack am Madison Square Park.  Neben einem grandiosen Double Smoke Shack gibts ein Shack Meister Ale, das von der Brooklyn Brewery exklusiv für Shake Shack gebraut wird. Das alles gibt’s in einem kleinen “Biergarten” im Schatten des Empire State Buildings. also hier und da weiß dieses Manhattan schon zu beeindrucken…

shakeshack

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Published November 14th, 2013

Brooklyn Diaries Pt. IV

Tag 5:  Wie dem geneigten Leser bereits aufgefallen sein dürfte, ist das Abklappern von Sehenswürdigkeiten nicht wirklich unser höchstes Ansinnen. Viel wichtiger ist es, möglichst viel vom Gefühl der Stadt mitzunehmen. Zu verstehen, wie die Menschen ticken, und was den Reiz dieser Stadt nun eigentlich ausmacht. Dafür ist das “treiben lassen” in verschiedenen Vierteln natürlich viel zweckführender, als das X-te Museum und der Y-ste Wolkenkratzer… Dennoch kann man sich einigen Sehenswürdigkeiten natürlich nicht entziehen. Und so machen wir uns am 5. Tag auf, ein paar der Highlights auf unserer Liste abzuhaken.

Als wir unseren allmorgentlichen Tee im Garten zu uns nehmen, fällt neben dem blauen Himmel die sehr klare Luft und die damit wohl verbundene gute Sicht auf. Da könnte man doch….

Aber vor dem Vergnügen steht die Bahnfahrt. Mechanical Problems. Ja nee, is klar. Zug wechseln. 100mal anhalten. Irgendwann ankommen. An sich ein Wunder, dass im Grossraum New York nicht jeden Tag ein Passagier des ÖPN Amok läuft.

grandcentral

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Erstes Ziel ist Grand Central Terminal in Midtown. Beeindruckend. Wirklich ein sehr cooles Gebäude.Fotografisch könnte man sich hier austoben. Aber das würde den ganzen Tag in Anspruch nehmen, um den Lichteinfall von den verschiedenen Seiten zu berücksichtigen. Und wir wollens ja nicht übertreiben…

Wir laufen über die 5th Avenue: New York aus dem Bilderbuch…

Einen kurzen Stopp legen wir im Barnes & Noble ein. Es ist schon faszinierend: Ich bin ja nun ein grosser Fan von allen iPads und kindles dieser Welt. Aber so ein klassischer, schöner, wohlsortierter, gutriechender Buchladen – das hat einfach was…

Wir nähern uns dem heutigen “Top Act” (im wahrsten Sinne des Wortes): Rockefeller Center! An einer der Ticket Stationen checken wir, wann die nächste Möglichkeit zum Besuch des Top of the Rock ist. Die Wartezeit beträgt gerade knapp 2 Stunden, also beschliessen wir, das Ticket lieber für den späten Nachmittag zu lösen.

trumptower

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Nun ist es ja nicht gerade so, dass man sich in Midtown Manhattan langweilen müsste, wenn man ein paar Stunden totzuschlagen hat. Wir treiben uns an der Eisbahn vorm Rockefeller Center rum, bummeln über die 5th Avenue. Laufen vor zum Central Park. Treffen zufällig einen Kollegen aus München (dieses Manhattan ist aber auch wirklich ein Kaff…), essen Halal Food, schlendern über den Times Square, bewundern die Fotos von Gideon Mendel beim ICP (Hammer!!!), und kommen gerade rechtzeitig wieder am Rockefeller an, um in den Aufzug zu steigen.

topoftherock3

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Tja, was soll man sagen: An einem solchen Tag -um eine solche Zeit- auf die Plattform des Top of the Rock zu treten. Atemberaubend. Das lässt sich nicht leugnen… Dementsprechend lange bleiben wir oben, um den unbeschreiblichen Blick bis zur totalen Dunkelheit (von den paar künstlichen Lichtern mal abgesehen) zu geniessen!

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Leicht angesäuselt von den unfassbaren Eindrücken laufen wir danach an der Live City Music Hall vorbei nochmal zum Times Square. Schliesslich muss man sich das Chaos schon auch mal bei Kunstlicht geben. Es erschlägt einen. Aber alle sind sie da: The naked Cowboy, “Happy New Year” und alle Comicfiguren der westlichen Welt…

radiocitymusic

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Ist ja alles ganz lustig. Aber irgendwann sind wir dann doch auch wieder froh, die Bahn in unser “beschauliches” Bushwick nehmen zu können. Der “Train” hat dann auch ein Einsehen und bringt uns – unglaublich aber wahr- ohne grössere Störungen nach hause. Ein letzter Klassiker für den Tag: Lucky Chen – Chinese Takeaway –auf der Couch in unserer Bude. Nur leider bringt keines der 1400 Fernsehprogramme “Einsatz in Manhattan” – aber das wäre wohl auch zuviel verlangt…

Published November 13th, 2013

Brooklyn Diaries Pt. III

 

Am 4. Tag werfen grosse Ereignisse ihre Schatten voraus: Dank der so oft verteufelten sozialen Netzwerke (und einer ganzen Menge Zufall) dürfen wir feststellen, dass der liebe Herr Hendrik P. aus K. im T. mit seiner Familie zur gleichen Zeit in New York weilt wie wir… Unfassbar… So klein ist die Welt. Beim Frühstück machen wir die Details für ein späteres Treffen aus.

bushwick

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Dann laufen wir die Knickerbocker Ave. (ist das nicht ein grossartiger Name für eine Strasse??) entlang quer durch Bushwick. Aber wohin wir auch gehen: Die angeblich so spannende Künstlerszene bleibt uns verborgen… Hier scheint sich denn doch noch viel hinter verschlossenen Türen abzuspielen. Nun gut.

williamsburgcoffee

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Also geht’s weiter nach Williamsburg. Hier jedenfalls sind die Türen weit geöffnet: Sowohl die der vielen kleinen, liebevoll gestalteten Lokale, als auch die der witzigen Läden. Ursprünglich ein Viertel hauptsächlich orthodoxer Juden, hielten hier gegen Ende des letzten Jahrhunderts Althippies, Musiker und andere Künstler Einzug, die das Viertel viel zu bald auch für Hippster aus Manhattan attraktiv machten. Plötzlich gab es für viele unfassbar coole Einwohner Manhattans eine echte Alternative. Und schliesslich konnte man sich mit den kurzen Wegen über die Williamsburg Bridge und mit dem Blick auf die Skyline herausreden. Die Mietpreise dürften nur sehr kurze Zeit ein Argument für einen Umzug übers Wasser gewesen sein…

williamsburg

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Man ist ein wenig hin- und hergerissen. In Williamsburg ist es klasse. Aber alles ist eben auch ein wenig ZU cool. Hier merkt man sehr schnell und ebenso deutlich, dass die verhasste Gentrifizierung in New York nochmal ein ganz anderes Tempo aufnimmt als im beschaulichen München…

williamsburgape

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Nach einer kurzen Pause “zu hause”, in der Sonne sitzen im Garten (!!!) bei Mr. Rabbit, brechen wir erneut auf, um an altbewährter Stelle im Meatpacking District Familie P. zu treffen. Eigentlich nur als Treffpunkt gedacht, wird das Pastis an diesem Abend erst wieder verlassen, als wir nach einem ganz wunderbaren Abend die Heimfahrt antreten. Über die den Tag abschliessende Bahnfahrt decken wir hier den Mantel des Schweigens, um nicht abzudriften und auf den Index zu geraten…

Published November 12th, 2013

Brooklyn Diaries Pt. II

eastvillage

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Tag 2 beginnt, wo der vorherige aufgehört hat: Am Broadway. Von hier aus schlendern wir durchs East Village. Hier bestätigt sich mal wieder, dass gerade solche Viertel, die ihre besten Zeiten schon eine geraume Weile hinter sich haben, durchaus einen gewissen Reiz ausüben können. Für uns besonders interessant ist natürlich auch “Little Bombay” mit seinen vielen Indischen Restaurants.

Den kleinen Snack zwischendurch gibt’s dann jedoch woanders: Katz Delicatessen! Hier gibt es das vielleicht berühmteste Pastrami Sandwich der Welt. Um mitreden zu können essen wir NATÜRLICH eines. Und man kann sagen was man will: Das ist ein Erlebnis… (Und nicht vergessen: Send a Salami to Your Boy in the Army!)

katz

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Als nächstes führt unsere Route quer durch Greenwich Village in etwas angesagtere Gefilde: Meatpacking District. Nach einem Aperitiv im “Pastis” (Nomen est Omen und Henri B. schmeckt an jedem Ort auf dieser Welt) kommen wir zu einem weiteren Highlight: Spice Market! Ein sehr angesagter Laden in einem hippen Viertel. Sehr dunkel. Sehr gemütlich. Sehr coole Musik. Fantastische Küche. Eine grossartige, asiatische “Crossover-Karte” mit unzähligen spannenden Gerichten. Toll.

lane

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An Tag 3 kommen wir zu einem mit Spannung erwarteten Besuch an einem der bekanntesten Orte der Welt. Der NYSE – einigen vielleicht besser bekannt unter ihrer Adresse: Wall Street! Über den Bekannten eines Bekannten haben wir die Ehre, das Zentrum der globalen Finanzmärkte nicht nur von aussen betrachten zu können. Wir dürfen ins Allerheiligste und finden uns nach Sicherheitskontrollen wie am Flughafen auf dem Parkett wieder. Das hat schon was… Nach fast 2 Stunden Aufenthalt und langen und sehr interessanten Gesprächen mit den handelnden Personen, ist dann endlich auch der US Shutdown beendet und der Senat hat einen Kompromiss im Haushaltsstreit gefunden. Wer will da an einen Zufall glauben…?!

koffergeheimnis

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Nach einer ausgiebigen Runde im Financial District, einer weniger ausgiebigen Runde beim WTC (911 Memorial etc. aufgrund eines fürchterlichen Baustellenchaos eher unschön und anstrengend), laufen wir zurück über den Broadway “uptown”. Nach einem gemütlichen Fussmarsch biegen wir irgendwann noch einmal ins East Village ab, um nach einem Brooklyn Lager erneut “Little Bombay” aufsuchen. Aber diesmal mit Hunger und grosser Lust auf Curry… Wir werden nicht enttäuscht!

Auf dem Heimweg wollen wir noch eine Kleinigkeit fürs Frühstück einkaufen. Macht uns dieser Supermarkt doch tatsächlich die Tür vor der Nase zu. Und das um 22:50 Uhr. SERVICEWÜSTE BROOKLYN sag’ ich da nur…