Archive for März, 2013


Published März 27th, 2013

Marseille

“Marseille wendet Frankreich den Rücken zu und blickt aufs Meer…”

Tag 1:

 Aufgrund des Lufthansa Streiks erfolgt unser Abflug 8 Stunden später als geplant. Das ist ein wenig schade – aber es hätte schlimmer kommen können. Wenigstens werden wir vorher informiert und können von zu hause umbuchen.

 Dank Online Check-In, Gepäckaufgabeautomaten und Apples “Passport” läuft wenigstens beim Ersatzflug alles zügig und einwandfrei und an den Schlangen der anderen Umbucher vorbei.

 Angekommen in Marseille geht es mit dem Taxi ins Hotel auf dem Cours Belsunce (allein diese Strasse wäre einen ganzen Absatz wert mit ihrer Geschichte und ihren Eindrücken) um dort unsere Zimmer (ist das nun ein Penthouse oder ein ausgebauter Speicher ?!) zu beziehen. Wir brechen auf, eine erste Runde zum Hafen in Angriff zu nehmen (schliesslich ist der gleich ums Eck…) und ordnungsgemaess einen Begruessungs-Sundowner in Form eines klassischen Pastis vor Hafenkulisse im “Cafe des Arts” zu nehmen.

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 Zum Abendessen möchten wir zu “MICHEL“  , wo wir nach einem kleinen Fussmarsch den letzten Tisch ergattern. Schwein gehabt! Und nun beginnt ein kulinarisches Highlight der Extraklasse:

Erst werden die frischen Fische präsentiert (Petersfisch, Knurrhahn, Rotbarbe, Wolfsbarsch – der eine zuckt noch!).

Dann wird das geröstete Brot mit Rouille und Aioli gebracht.

Als nächstes wird die Suppe serviert.

Dazu kommt der Fisch, der in der Suppe gegart und nun am Tisch filetiert wird.

Ausserdem Kartoffeln (ebenso in der Suppe gegart).

Man hat einen Teller mit Suppe, und einen Teller mit Kartoffeln und Fisch.

Das  geröstete Brot wird mit der Rouille bestrichen und in die Suppe getaucht

Den Fisch geniesst man mit einem Hauch Aioli.

Und so löffelt man von rechts und löffelt von links und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus.

Nach einer unfassbaren Menge Fisch und 3 Tellern Suppe ist es geschafft.

Und wir sind so satt, dass selbst der geliebte Gateau ausfällt… Zurück gibt es einen feinen Spaziergang am Meer entlang und durch das nächtliche Marseille, ehe es ab ins Penthouse zur Nachtruhe geht.

  

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Tag 2:

 Nach einem Cafe Au Lait mit dazugehörigem Croissant heisst es “Aufbruch zum legendären Fischmarkt”. Und der wird seinem Ruf gerecht. Grossartig. Irgendwie familiär. Extrem sympathisch. Faszinierend. Lustig. Fast provinziell. Man hat überhaupt nicht das Gefühl, in der zweitgrössten Stadt Frankreichs zu sein, sondern fühlt sich wie in einem kleinen Fischerdorf.

Weiter geht’s ins berühmt- berüchtigte Panier-Viertel (quasi die Altstadt). Enge Gassen und entsprechende Häuser, bis vor einiger Zeit noch kaum ohne Personenschutz zu bestaunen, sind nun alle (etwas zu) schön hergerichtet und erstrahlen im “Kulturhauptstadtglanz”. Wie stand in einem Artikel so schön geschrieben:

“La Ville Rebelle” – die aufsässige Stadt – wird hübsch und sauber gemacht.

Ohne die Historie wäre das prima anzusehen – so aber bleibt ein zwiespältiges Gefühl: So schön das alles ausschaut – wohin man wohl all’ die umgesiedelt hat, die sich die neue Schönheit nicht mehr leisten können…?!

Allerdings sollte man sich als Deutscher mit seiner Meinung diesbezüglich ein wenig zurückhalten. Waren doch unsere Vorfahren an der letzten – ähm – “Umsiedlung” nicht ganz unbeteiligt…

 Was nun folgt ist eine kleine Stärkung. Oder auch Schwächung. Ansichtssache. Auf jeden Fall folgt eine kleine Degustation im “Maison Du Pastis” . Pflichtprogramm.

95 Sorten Pastis und Absinth. Einige davon auch aus eigener Herstellung. Feines Zeug. Leider kann ich nicht ALLE probieren…

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 Zurück geht’s zur Canabiere, über den Cours Belsunce, zwischen afrikanischen Märkten mit bunten Farben und exotischen Früchten hindurch weiter zum Cours Julien; dem Kreuzberg von Marseille. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Alles ist im Umbruch. Auf der einen Seite Häuser mit wildem und faszinierendem Graffiti. Eine Strasse weiter alles frisch renoviert und vielleicht einen Hauch zu sorgfältig gekehrt. Dazwischen wunderbare Cafes, Restaurants, Brasserien…

 Es folgt der längste Fussmarsch der Reise: Vom Cours Julien zur Notre Dame De La Garde. Ob man nun ein grosser Freund von Kirchen ist oder nicht: Ein Besuch in Marseille ohne auf den Berg zu klettern – und sei es auch nur der Aussicht wegen – ist wohl undenkbar. Wie an solchen Orten üblich, ist man natürlich nicht alleine auf diese Idee gekommen. Zum Glück ist noch März – das Wetter nur “so mittel” und daher hält sich der Andrang noch einigermassen in Grenzen.

 Auf dem Rückweg zum Hotel liegt  – was ein Zufall – das Cafe des Arts. Warum nicht einen kleinen Sundowner nehmen. Schliesslich ist Marseille berühmt für seinen Pastis…

 Über das Couscous Erlebnis am späteren Abend hüllen wir die Kameldecke des Schweigens…

 

Tag 3:

 Der Tag beginnt ein wenig verregnet. Nach einem ausgiebigen Frühstück, einem kurzen Besuch auf dem Fischmarkt (er ist halt gar so schön und liegt auf dem Weg) verlegen wir unsere Aktivitäten erstmal auf Innenräume diverser Art. Nicht zuletzt ein ausgiebiger (und erfolgreicher) Besuch bei Maison Empereur lässt den Freund von Kochutensilien und Messern aller Art deutlich höher schlagen!!

Nach ausgiebigem Gebummel ist es irgendwann Zeit für einen kleinen Imbiss. Da das Wetter sich ein wenig bessert und es am Cours Julien gar so schön war, fällt die Wahl leicht. Schon bald sitzen wir, ganz nach französischer Lebensart, bei einem wunderbaren, kleinen Lunch und einer wunderbaren Flasche Cote de Provence in der Sonne. Das mit dieser französischen Lebensart hat schon durchaus seine Vorzüge… Und weil der Wirt so nett fragt, trinken wir auch so ein grünnes Zeug mit ihm. Auf Vincent!

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Nach dieser extrem gemütlichen Pause machen wir uns auf die Suche nach dem “83er”. Mit dieser Buslinie wollen wir ein wenig aus der Stadt und ans Meer fahren, um wenigstens einen kleinen Einblick in die Küstenlandschaft zu bekommen.

Nach dieser Exkursion dürfen wir mit Genugtuung feststellen, dass der “83er” uns den Gefallen tut, doch tatsächlich auf dem Rückweg am “Cafe des Arts” vorbeizukommen. Zufälle gibt’s im Leben. Wir nutzen diesen geradezu schicksalhaften Umstand und steigen kurz zu einem kleinen Sundowner aus. Schliesslich ist Marseille die Stadt des Pastis, und mit Blick auf den Alten Hafen schmeckt der sogar noch besser.

 

Tag 4:

 Am Abreisetag erleben wir den wettermässigen Tiefpunkt. So bleibt nichts anderes zu tun, als extrem ausgiebig zu frühstücken, und den Trip, zum Überbrücken der Zeit bis zum Rückflug, noch ein wenig Revue passieren zu lassen. Was hat man nun von der Stadt zu halten?!  Wieviel Marseille kann man in so kurzer Zeit aufnehmen?! Was bekommt man überhaupt mit – und was bekommt man besser nicht mit?! Was überwiegt?! Die unvergessliche Bouillabaisse oder die Betonklötze in der nördlichen Vorstadt. Da wo die Arbeitslosenquote knapp 30% beträgt und die Rauschgiftmafia der grösste Arbeitgeber ist. (FAZ: Stadt des Verbrechens)

In Marseille bekommen uns allgegenwärtige Begriffe wie “Schmelztiegel der Kulturen”, “Multi-Kulti” oder auch “Gentrifizierung” eine völlig andere Dimension als bei uns. Marseille ist eine Stadt der Gegensätze. Aber das macht es natürlich auch faszinierend. Es dürfte spannend sein, die weitere Entwicklung zu beobachten – und das sicherlich auch mal wieder vor Ort.

 In diesem Sinne: Au Revoir!

http://goo.gl/maps/p3grW